Tastet den Gesalbten nicht an!

Joachim Hübel

 

Eine biblische Studie zu den Lehrfragen:

Was unterscheidet die neutestamentliche Leiterschaft

von der alttestamentlichen Führerschaft?

Sind die Leiter einer christlichen Gemeinde „unantastbare Gesalbte“?

Fordert das Neue Testament die kritiklose Unterwerfung 

unter die Gemeindeleitung?

Ganz unten am Ende des Textes befindet sich der Download-Button für das kostenlose pdf-Dokument „Tastet den Gesalbten nicht an!“ (19 Seiten, 1,25 MB)

Einführung:

 

In dieser Studie wird ein christlicher Mythos ins Visier genommen: Christen müssten sich ihrer Gemeindeleitung (den Pastoren/Ältesten) kritiklos unterwerfen, weil diese durch ihr geistliches Amt quasi einen Status der Unantastbarkeit (= geistliche Immunität) besäßen. Auch die mit diesem unbiblischen Anspruch oftmals verbundene Drohung wird hier falsifiziert, Gott werde alle strafen, die es wagen die „Gesalbten“ als Amtsträger „anzutasten“, zu prüfen und nötigenfalls zu kritisieren.

 

Autorität und Führungsbefugnis ist an und für sich etwas Gutes und Hilfreiches. Schwache, unerfahrene, orientierungslose Menschen brauchen Beistand, Schutz, Rat, Anleitung und Orientierung vonseiten derer, die stark und erfahren sind, und die Anleitung und Orientierung geben können. Das gilt für alle Gesellschaftsbereiche, ganz besonders aber für die Gemeinschaft der Gläubigen. Die Ausübung von konstruktiver Autorität ist ein Segen. Verantwortungsvoll ausgeübte Autorität wurzelt in wahrer Demut und in dem Bewusstsein „primus inter pares“ – als Leiter der Erste unter Gleichgestellten zu sein.

 

Schwäche, Hilfsbedürftigkeit und Unerfahrenheit können ausgenutzt werden. Autorität kann für eigennützige, egoistische Zwecke missbraucht werden. Macht und Amtsgewalt können in destruktiver Weise eingesetzt werden, um andere zu unterdrücken, für eigennützige Ziele einzuspannen und auszubeuten. Eine wirksame Verhütung von Macht- und Autoritätsmissbrauch geschieht aber nicht durch Antiautorität und Anarchie, sondern durch von Gott verliehener Autorität (Vollmacht), die unter der Führung des Heiligen Geistes und in der Einbettung in ein geistlich reifes Leitungsteam ausgeübt wird.

 

Die wohl schändlichste Form von Machtmissbrauch geschieht dort, wo dieser unter einem frommen Deckmantel und im Namen Gottes verübt wird.

 

Im Laufe der Kirchengeschichte bildete sich eine überautoritär geprägte Kirchen- und Gemeindeführung aus, der so genannte „Klerus“ (= abgesetzte Gruppe „Geistlicher“ als Kirchenführer). Die Amtsinhaber (Priester, Bischöfe, Kardinäle und Päpste) scheuten sich nicht selten, ihre Macht zu missbrauchen und für selbstsüchtige Zwecke einzusetzen. Unzählige Menschen wurden „in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti“ in ein religiöses Joch eingespannt, um die Begierden und Machtallüren einer kleinen Führungselite zu befriedigen. – Ein falsches Verständnis von Liebe, Unterordnung, Loyalität und Autorität hat auch in neuerer Zeit in freien und freikirchlichen Kreisen einen evangelikalen „Klerikalismus“ aufgerichtet. Dadurch hat sich auch hier eine Kluft zwischen der Leiterschaft (den „Gesalbten“) und den restlichen Gläubigen aufgetan. Und auch hier geschieht mancherorts Amts- und Machtmissbrauch (= „geistlicher Missbrauch“), durch den Gläubige zurückgesetzt, ausgenutzt und verletzt werden – weil unberufene, eigenmächtige Leiter die Führung übernommen haben.

 

Bei der Nominierung und Einsetzung von Gemeindeleitern (Pastoren/Ältesten) finden wir derzeit in den evangelikalen, freikirchlichen Gemeinden eine große Bandbreite. In vielen Gemeinden werden die Leiter heute von den Gemeindemitgliedern vorgeschlagen und demokratisch gewählt. Bei der Aufstellung der Kandidaten sind oftmals aber nicht die im Neuen Testament angeführten Qualitätsmerkmale die wirklich entscheidenden Kriterien, sondern das „Vertrauen“. Unter diesem dehnbaren Begriff verbirgt sich in der Regel jedoch Gunst und Beliebtheit. Die auf diese Weise gewonnenen Gemeindeleiter kultivieren dann überwiegend einen recht liberalen, ja bisweilen überaus saloppen Führungsstil, der darauf angelegt ist, sich die Gunst der Gemeindemitglieder zu erhalten. – Daneben gibt es auch heute noch den „alten Stil“. Bei diesem wird die Gemeinde im Vorfeld der Ernennung von Gemeindeleitern dazu aufgefordert, um „die Führung des Herrn“ zu beten. Daraufhin werden die neuen Pastoren/Ältesten über die Köpfe der Gemeindemitglieder hinweg souverän bestimmt und unter Handauflegung mit Amtsvollmacht ausgestattet. Da diese nicht so sehr von der Gunst der Gemeindemitglieder abhängig sind, können die betreffenden Leiter mit größerer Autorität und Souveränität auftreten. – Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile: auf der einen Seite ein Autoritätsmangel, auf der andern Seite die Gefahr von Überautorität und eigenmächtiger Herrschaft.

 

Bei allem sollten wir uns daran erinnern, dass Jesus Christus, der „Herr der Gemeinde“, bezüglich der Einsetzung von Leitern seine eigenen Vorstellungen und Ansprüche hat. Und diese wurden uns deutlich in seinem Buch mitgeteilt. Nun sind wir gefordert, die vielen Puzzle-Teile der biblischen Aussagen über Gemeindeführung unter der Anleitung des Heiligen Geistes in rechter Weise zusammenzusetzen. Dadurch erhalten wir ein stimmiges „Bild der Lehre“, das uns die Weisheit Gottes und die Vorstellungen Christi offenbart.

 

 

Einerseits möchte der Herr seinem Volk „Hirten nach seinem Herzen“ geben, die die Gemeindeherde „mit Erkenntnis und Verstand“ weiden (Jer 3,15;  23,4). Doch andererseits ist er dabei auf die unvollkommenen Personen angewiesen, die ihm zur Verfügung stehen. Um das heikle Beziehungsgeflecht zwischen Leitern und Geleiteten segensreich zu gestalten, hat er uns in seinem biblischen Wort klare Richtlinien und anschauliche Beispiele übermittelt. Wenn wir diese kennen lernen und mit seiner Hilfe anwenden, dann wird die Gemeinde geistlich zur Blüte gebracht. Das Resultat davon besteht darin, dass jeder Einzelne auf dem „schmalen Weg“ der Jüngerschaft und der „Heiligung“ (= Verwandlung in das Bild Christi) zügig voran kommt. Wo die Weisheit Gottes jedoch durch menschliche Klugheit und eigenmächtigen Pragmatismus oder gar durch Machtmissbrauch ersetzt wird, da wird sich statt Frieden und Freude Bedrückung und Lähmung einstellen und das geistliche Leben erstickt.

 

Tastet den Gesalbten nicht an!

 

In den Schriften des Alten Testaments finden wir die Warnung des HERRN:

 

„Tastet meine Gesalbten nicht an, tut meinen Propheten nichts Übles!“ 

(Ps 105,15;   1.Chr 16,22)

 

Diesen Spruch bekommt man immer wieder einmal zu hören, wenn über Gemeindeleiter oder andere Personen, die sich in geistlicher Autorität befinden, irgendwelche kritischen Äußerungen gemacht werden: „Tastet den Gesalbten nicht an!“

Das geht mitunter so weit, dass manche Gläubige regelrecht Angst davor haben, den Führungsstil, die Praktiken und die Lehren ihrer Leiter zu hinterfragen und anhand des Wortes Gottes nüchtern zu prüfen. Lieber ordnet man sich kritiklos unter und meint, auf diese Weise seine Verantwortung abgeben zu können.

 

 

Wir wollen hier einmal der Frage nachgehen, ob die alttestamentliche Aussage über die „Gesalbten“ uneingeschränkt auf die neutestamentliche Leiterschaft übertragbar ist. Konkret: Sind geistliche Leiter heute unantastbare „Gesalbte“? 

 

 

Im Alten Bund wurde nur ein bestimmter Personenkreis von Gott mit Heiligem Geist „gesalbt“ (d.h. erfüllt) und dadurch zum Dienst autorisiert (d.h. mit bestimmten Vollmachten ausgerüstet): Priester, Propheten, Richter und Könige.  Das war die „Leiterschaft“ im Alten Testament.

 

 

Diese Personen wurden meist von bereits Gesalbten (d.h. bereits anerkannten Autoritäten) in ihre Position eingesetzt und dann oftmals zeichenhaft mit dem „heiligen Salböl“ gesalbt (2.Mo 37,29;  29,7;  3.Mo 8,12;  1.Sam 16,3.12.13;   2.Sam 2,4; 5,3;  1.Kö 1,34;  19,15.16). Auch heute ist es wichtig, dieses Prinzip der Einsetzung und der Sukzession (das eine legitime Übertragung bzw. Bestätigung von Autorität fordert) zu beachten, da sich sonst jemand ein Amt oder eine Stellung anmaßen könnte, das ihm gar nicht zukommt. Aus diesem Grund gab der HERR dem Propheten Samuel die Anweisung:

 

„Und du sollst mir den salben, den ICH dir nennen werde.“ (1.Sam 16,3)

Berufungen kommen von Gott, brauchen aber Bestätigung, da sich die Betreffenden täuschen können. Auch heute noch sollten Personen von bereits bestätigten und bewährten Leitern (z.B. Aposteln, Pastoren) in leitende Positionen eingesetzt werden. Diese Autorisierung - die nie in leichtfertiger Weise gehandhabt werden darf - geschieht gemäß der Schrift unter Handauflegung (siehe  1.Tim 4,13.14;   5,22;   Apg 6,6;  13,1-3).

 

Leitende Personen, denen diese Legitimation fehlt, müssen besonders eingehend geprüft werden, ob ihnen leiterschaftliche Autorität zukommt - d.h. ob sie überhaupt zum Personenkreis der „Gesalbten“ (d.h. Leiter) gehören (und von anderen den entsprechenden Respekt erwarten dürfen).

Aber selbst bestätigte Leiter sind nicht immer von Gott Berufene. - Und unbestätigte Personen können durchaus von Gott Berufene sein. Leider gibt es auch wirklich Berufene, die vor der Zeit bestätigt und eingesetzt wurden und dadurch zu Fall gekommen sind  - siehe  1.Tim 3,6.10;   5,22.

 

Wie damals in alttestamentlicher Zeit, so werden nun auch im Neuen Bund bestimmte Personen in besonderer Weise zum Leitungsdienst „gesalbt“: die Apostel, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und die Lehrer (Eph 4,11). Das ist der so genannte „fünffältige Dienst“. Auch bei diesen ist es erforderlich, dass sie von Gott berufen und „von Gott gesetzt (o. gegeben)“ sind (Eph 4,11).

Ist das der Fall, dann haben diese „Diener“ und „Mitarbeiter Gottes“ (1.Kor 3,9) innerhalb des ihnen von Gott gegebenen „Wirkungskreises“ Amtsvollmacht (2.Kor 10,13.16). Diese Autorität ist ihnen zum „Dienen“ (Mt 20,25-28) und zur „Erbauung“ der Gläubigen gegeben (2.Kor 13,10), nicht aber zum eigenmächtigen „Herrschen“ (1.Petr 5,3). Im Wirkungsbereich ihres Amtes dürfen sie von den ihnen anvertrauten Personen Achtung und Unterordnung erwarten:

 

Gehorcht und fügt euch euren Führern, denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre euch nicht nützlich.“ (Hebr 13,17  - siehe auch:  1.Thess 5,12.13;   1.Petr 5,5)

 

Allerdings hat diese Unterordnung auch ihre Grenzen!  Jesus Christus - der Herr und das Haupt der Gemeinde - sagt den Hirten (Pastoren):

 

 

Hütet  die  Herde, die bei euch ist ... Gott gemäß!“  (1.Petr 5,2)  

Das heißt aber, dass die Pastoren /Ältesten1 die Gemeinde in einer Weise leiten müssen, die vom Wort Gottes her klar nachvollziehbar ist. Sie müssen das tun und lehren, was der Herr ihnen durch sein Wort aufgetragen hat. Wenn sie das in grundlegenden, heilsentscheidenden Dingen nicht tun, dann können und dürfen wir uns ihnen nicht unterordnen!

_____________________________

1  Nach neutestamentlicher Ordnung soll jede Gemeinde von einem Gremium aus mehreren  Ältesten geleitet werden. Diese Älteste sind die „Hirten“ (Pastoren) und „Aufseher“ der  Gemeinde  - siehe Apg 20,17.28;  14,23;  1.Tim 3,1-7;  Tit 1,5-9.

___________________________________________

 

Außerdem heißt es im Neuen Testament:

 

„Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die anerkennt, die unter euch (im geistlichen Dienst) arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen ...“  (1.Thess 5,12)

 

Solche Leiter aber, die nicht im Herrn vorstehen, kann (darf!) man nicht so ohne weiteres anerkennen, nur weil sie sich in einer Leitungsposition befinden.

 

Leiter, die sich eigenmächtig über neutestamentliche Anweisungen der Schrift hinwegsetzen, erfüllen nicht (mehr) die Qualifikation, die dieses Amt erfordert (Tit 1,7). Leiter, die ihren anvertrauten Seelen Dinge abverlangen, die in grober Weise der Schrift zuwiderlaufen, stehen ihrer Gemeinde nicht mehr „im Herrn“ vor, sondern im Fleisch!

 

Das Wort Gottes sagt uns, dass sich in entsprechender Weise die Kinder ihren Eltern im Herrn“ unterordnen sollen (Eph 6,1), d.h. soweit diese ihnen nicht Dinge zumuten, die sich gegen die Gebote Gottes richten. Das gleiche gilt auch für Ehefrauen gegenüber ihren Männern (Eph 5,21.22;  1.Kor 11,3).

 

Wenn Eltern, Ehegatten oder Leiter von den ihnen anbefohlenen Seelen verkehrte Dinge verlangen und sie dadurch zu einem Ungehorsam gegen die Weisungen des Herrn veranlassen wollen, dann gilt es einen „heiligen Ungehorsam“ zu praktizieren: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen!“ (Apg 5,29). Dieser „Widerstand“ gegen Leiterschaft sollte jedoch in rechter Weise und Herzenshaltung geschehen (1.Kor 16,14; Eph 4,15). Wer sich da aber aus Konfliktscheu zu unrechten Dingen manipulieren lässt, der wird mitschuldig. „... und habe nicht teil an fremden Sünden. Bewahre dich selbst rein!“ (1.Tim 5,22)

 

Wir müssen uns auch dann in der oben beschriebenen Weise widersetzen, wenn verkehrte Lehren verbreitet werden, die in wesentlichen Punkten ganz offensichtlich von der Heiligen Schrift abweichen. Wir brauchen uns da in der Predigt oder Lehre keine verdorbenen Speisen auftischen lassen. Den Pastoren- und Ältestendienst sollten ohnehin nur solche ausüben, „die an dem der Lehre (= Apostellehre) gemäßen zuverlässigen Wort festhalten, damit sie fähig seien, sowohl mit der gesunden Lehre, zu ermahnen, als auch die Widersprechenden zu überführen.“ (Tit 1,8.9)

 

Wir dürfen es nicht widerspruchslos hinnehmen, wenn etwas verkündigt wird, was uns und anderen Christen im Glaubensleben schadet  (z.B.  2.Tim 2,16-18; Gal 3,1-5; Apg 20,30). Ebenso schädlich kann es sich auswirken, wenn wichtige Elemente der Heilslehre nicht gelehrt werden - Apg 20,20.27! Wir brauchen uns nichts unterschieben zu lassen, was einer klaren, schriftfundierten Erkenntnis widerspricht. Da müssen wir den Mut haben, uns selbst ein rechtes Urteil zuzutrauen, da wir uns sonst allzu sehr vom autoritären Auftreten mancher „Gesalbter“ beeindrucken lassen. Wir dürfen nicht vergessen, dass im Neuen Bund alle Gläubigen mit dem Heiligen Geist gesalbt sind:

 

„Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles. Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und wisst, dass keine Lüge aus der Wahrheit ist. ... Dies habe ich euch im Blick auf die geschrieben, die euch verführen. Und ihr! Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand (in falscher, bevormundender Weise) belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge; und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm.“  (1.Joh 2,20.21.26.27)

 

Der „Geist der Wahrheit“ (Joh 16,13) führt uns durch die „Salbung“ und durch das Wort Gottes (Joh 14,26) in alle Wahrheit und Erkenntnis.

 

Jesus sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“  (Joh 8,31.32)

 

„Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“  (Joh 14,23)

 

Die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater und dem Sohn muss uns mehr wert sein, als der billige Friede, den uns eine verantwortungslose Unterordnung unter fragwürdige Autoritäten verschafft!

 

Die „Salbung“ befähigt uns also, Personen und Lehren anhand der Schrift zu  prüfen und geistlich zu beurteilen. Dadurch wird keineswegs der Dienst derer überflüssig, die vom Herrn in den „fünffältigen Dienst“ eingesetzt werden (Eph 4,11). Wir brauchen diese Dienste und Ämter zu unserer Zurüstung (siehe Verse 3,12-14). Durch die „Salbung“ können wir aber beurteilen, ob uns Personen, die in einem dieser Ämter auftreten, „im Herrn“ oder „im Fleisch“ oder aber „in einem anderen Geist“ dienen.

 

Gerade in dieser Hinsicht besteht doch ein wesentlicher Unterschied vom   Neuen  zum  Alten Testament. Vor  Pfingsten hatten nur einzelne Gottesmänner und Führer (z.B. Propheten) den Heiligen Geist. Diese „Gesalbten“ sollten das (ungesalbte) Volk Gottes führen. Alle anderen hatten sich ihnen willig unterzuordnen, denn sie erlebten auf diese Weise die wunderbare, segensreiche Führung Gottes. Ihre Führer konnten und sollten sie damals ebenfalls prüfen - nämlich anhand des Gesetzes (5.Mo 13,1-6;  17,14-20).

 

Als Beispiel sei auf den großen Gottesmann Mose verwiesen. Nur Mose (und später die siebzig Ältesten) hatten den Geist Gottes. Nur Mose war fähig, dem HERRN zu begegnen und die Absichten Gottes zu erfahren. Das Volk hatte sich vertrauensvoll seiner Führerschaft unterzuordnen. Als ihm Aaron und Mirjam (bzw. die „Rotte Korach“) das absprechen wollten, wurden sie bestraft, weil sie durch ihren völlig unberechtigten Widerspruch „den Gesalbten des HERRN antasteten“ (4.Mo 12,1-16;  14,1-35).

 

Die röm.-kath. Kirche, die meisten Sekten, aber auch überautoritär geführte, freie Gemeinden beanspruchen gern eben diese alttestamentliche hierarchische Führungsstruktur (z.B. das „monarchische Episkopat“). Sie betonen die unantastbare, souveräne Stellung der Leiterschaft.

 

 

Nun aber im Neuen Bund - nach der allgemeinen Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten - braucht sich niemand mehr blindlings unterzuordnen. Jetzt ist das Zeitalter des „allgemeinen Priestertums“ (1.Petr 2,9;  1.Kor 12,4ff; 14,26). Leiter, die eine vollständige und unkritische Unterordnung fordern, begehen Amtsmissbrauch (wie das beispielsweise in der „Shepherding“-Bewegung geschah). Heute haben alle geistlich wiedergeborenen „Christen“ (= übersetzt: die Gesalbten!) die „Salbung“ und sind ebenfalls „Gesalbte“ (die genauso wenig in unangemessener Weise „angetastet“ werden dürfen!). Wir dürfen - wir müssen! - mitdenken und jene beurteilen, die uns sagen wollen wo es lang geht. Sonst landen wir da, wo wir gar nicht hin wollen. „Seid nüchtern und wachsam!“ (1.Petr 5,8)  -  das sagt der Herr uns allen.

„Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen [= Heiden], es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.“ (1.Kor 12,13 – vgl. Tit 3,4-7;  Eph 1,13;  Apg 2,38)

 

„Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. (Röm 8,9)

 

 

Zum weltweiten universalen „Leib Christi“ gehören nur jene Menschen, die durch eine authentische Umkehr (Bekehrung) und durch den persönlichen Glauben an das schriftgemäße(!) Evangelium Jesu Christi die geistliche Wiedergeburt erfahren haben (Joh 3,3.5-8;  Mk 1,15;  Apg 1,10;  17,30.31;  26,18). Leider werden die Menschen in den Volkskirchen in der Regel nicht zu einer wahren Bekehrung angeleitet und bleiben daher geistlich tot (vgl. Offb 3,1b;  2.Tim 3,5). Der biblisch-neutestamentliche Weg der Heilsübermittlung wurde dort durch den Sakramentalismus ersetzt – das ist die (vermeintliche) Heilsübermittlung durch kirchliche Rituale (z.B. via Säuglingstaufe). Auch in den evangelikalen Kreisen wird inzwischen oftmals ein populärtheologisch verkürztes Evangelium verkündigt, das nicht mehr dazu taugt, die Sünder zur geistlichen Auferweckung und Wiedergeburt zu führen.

Im Wort Gottes wird die unkritische, bedingungslose Unterwerfung unter (fragwürdige) Autoritäten nicht als Tugend aufgezeigt - im Gegenteil:

 

„Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir (= die echten Apostel) nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht (durch uns) empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gut. ... Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. ... Denn ihr ertragt es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand euch einfängt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlägt!“ (2.Kor 11,4.13.20)

 

Hier übte Paulus an den Korinthern scharfe Kritik, weil sie kontrollierende, missbrauchende, unterdrückende Autoritätspersonen gewähren ließen. Sie hätten diese selbsternannten Apostel prüfen und sie dann aus der Gemeinde verweisen sollen.

 

Um ihre angemaßte Position zu sichern, beanspruchen falsche Apostel, nicht legitimierte Propheten, Irrlehrer und unberufene Pastoren gern die vermeintlich unumschränkte Immunität der „Gesalbten“. Der Herr gibt uns durch sein Wort jedoch klare Anweisungen, den Personenkreis geistlicher Leiterschaft in einer ganz bestimmten Weise „anzutasten“ - d.h. zu „prüfen“:

 

„Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen.“ (1.Joh 4,1)

 

Prüft aber alles, das Gute haltet fest! Von aller Art des Bösen haltet euch fern“ (1.Thess 5,21.22)

 

„Seht zu, dass euch niemand verführe! ... Denn es werden falsche Christi (= übersetzt: „Gesalbte“ !) und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.“  (Mt 24,5.24)

„Und habt nichts gemein an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern stellt sie vielmehr bloß.“ (Eph 5,11)

 

„Ich kenne deine Werke ..., und dass du Böse nicht ertragen kannst; und hast die geprüft, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner erkannt; ...“ (Offb 2,2)

 

„Wenn jemand anders lehrt und sich nicht zuwendet den gesunden Worten unseres Herrn Jesus Christus und der Lehre, die gemäß der Gottseligkeit ist, so ist er aufgeblasen und weiß nichts, ... (das sind) Menschen, die in der Gesinnung verdorben und der Wahrheit beraubt sind ...“ (1.Tim 6,3.5)

 

„Predige das (biblisch fundierte) Wort! ... Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem ..!“  (2.Tim 4,3-5)

 

„Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen ... Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt,  der hat so wohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus (bzw. in die Gemeinde) auf und grüßt ihn nicht! Denn wer ihn (als Bruder) begrüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“  (2.Joh 7.9-11)

 

„Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium ... einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium umkehren (= verdrehen). ... Wie ich zuvor gesagt habe, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht! ... Wer euch aber verwirrt, wird das Urteil tragen, wer er auch sei!“  (Gal 1,6.7.9;   5,10)

 

Wir sehen also, dass die „Gesalbten“ jetzt im neuen Bund keineswegs unantastbar sind! Wir sollen sie in der rechten Haltung (= nüchtern, demütig etc.) prüfen2. Und wir sollen sie in geistlicher Weise „richten“³ - d.h. „beurteilen“:

 

Richtet ihr denn nicht, die (in der Gemeinde) drinnen sind?“ (1.Kor 5,12)

 

Hier fordert Paulus die Korinther auf, jene Gläubigen zu „richten“ (griech. „krino“ = kritisieren, beurteilen, richten), die verbindlich der Gemeinde zugehören. Das betrifft aber ausnahmslos alle Gemeindemitglieder – also auch die Leiter (Pastoren / Älteste)! Deshalb schreibt der Apostel in seinen Pastoralbriefen, die an die Leiterschaft gerichtet sind, folgendes:

___________________________

2  Wenn  wir  dieses  Prüfen in rechter, geistlicher Gesinnung tun, dann betrüben wir dadurch nicht den Heiligen Geist! Wie könnten wir  auch, da  uns doch Gott selbst durch sein Wort zu diesem Prüfen auffordert. Wir betrüben den „Geist der Wahrheit“ schon eher dadurch, wenn wir alles ungeprüft schlucken (1.Thess 5,19-22;  1.Kor 14,29).

 

3   Dieses geistliche „richten“ ist nicht im Sinne von „verurteilen“ und  „aburteilen“ zu verstehen, das Jesus verbietet: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Mt 7,1). An anderer Stelle erwartete er geradezu,  dass  seine Jünger etwas  in  der  rechten Weise  beurteilen  sollen: „Warum  richtet ihr aber auch von euch selbst aus nicht, was recht ist!?“ (Lk 12,57 - siehe auch 1.Kor 5,12.13)

___________________________________________

 

 „Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen. Die da sündigen (von den Ältesten!), weise vor allen zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben. Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln, dass du diese Dinge ohne Vorurteil befolgen und nichts nach Gunst tun sollst.“ (1.Tim 5,19-21)

 

Wenn eine berechtigte, wohlbegründete Anklage  (z.B. wegen moralischer Verfehlung, Irrlehre oder geistlichem Missbrauch) gegen einen der Ältesten / Pastoren vorliegt, die von mehreren Zeugen vertreten werden kann (Mt 18,16), dann muss gehandelt werden. In manchen Kreisen wird dieses Wort aber eher so gelesen: „Gegen einen Ältesten (= Leiter) nimm keinerlei Klage an.“ (Punkt!) – „Tastet den Gesalbten nicht an!“

 

Selbstverständlich muss ein Vorgehen gegen Leiterschaft in sauberer, ordnungsgemäßer Weise erfolgen. Wenn eine Gemeindeleitung einer apostolischen Aufsicht unterstellt ist (z.B. einem „Apostel“ = Vorstand eines Gemeindeverbands), dann kann man sich nötigenfalls dorthin wenden, um deren Hilfe in Anspruch zu nehmen zur Beseitigung von Missständen. Diese übergeordneten Aufseher können dann auch die Lage beurteilen, ob tatsächlich eine Verfehlung oder eine lehrmäßige Verirrung vorliegt. Wenn sich eine Gemeindeleitung jedoch keiner apostolischen Autorität unterordnet (oder einer solchen, die sie deckt - oder einer, die selbst nicht den geraden Weg geht), dann bleibt nur noch der Gemeindeaustritt (wenn die Missstände entsprechend schwerwiegend sind).

 

Bei allen Schritten die man unternimmt, darf man nichts überstürzen. Alle Entscheidungen müssen in anhaltendem Gebet getroffen werden. Man sollte weise handeln und möglichst den Rat unabhängiger, geistlich reifer Brüder einholen. Ist eine Trennung jedoch unumgänglich, dann sollte man entschlossen handeln. Man muss sich dann allerdings auf Anfeindungen gefasst machen. In dieser Situation darf man sich nicht von fleischlichen Regungen überwältigen lassen. Keinesfalls sollte man die Angelegenheit überall herumposaunen oder die betreffenden Personen gar öffentlich beschimpfen. Dadurch richtet man nur unabsehbaren Schaden an.  Bedenken wir bei allem, dass es eine höchste Instanz gibt, die alle Beteiligten beobachtet und ganz neutral beurteilt - „ohne Ansehen der Person“ (1.Petr 1,17). Wenn allerdings andere Geschwister der Gemeinde offensichtlich Schaden erleiden, weil bestimmte Missstände (z.B. glaubenszerstörende Lehren oder Praktiken) nicht beseitigt werden, dann ist es unerlässlich, in angemessener Weise davor zu warnen. Werden die Warnungen in den Wind geschlagen, dann sind die Betreffenden für die weiteren Folgen selbst verantwortlich.

 

Auch Bibellehrer, Prediger, Apostel und Evangelisten, die in einem übergemeindlichen Dienst im „Leib Christi“ tätig sind, müssen geprüft und beurteilt werden. Wenn sie in grundlegenden Stücken von der neutestamentlichen Lehre abweichen, dann muss vor ihnen öffentlich gewarnt werden. Wir dürfen sie nicht aus falsch verstandener „Liebe“ einfach „stehen lassen“. In solchen Situationen erweist sich dann, wen wir mehr lieben: Gott, der uns die Anweisungen gibt, die Finsternis zu „strafen“ (Eph 5,11); den Bruder und die Schwester, die durch die Irreführung einen schweren Schaden erleiden; oder die vermeintlichen „Gesalbten“ (bei denen wir uns fragen müssen, mit welchem Geist sie eigentlich „gesalbt“ sind). Seltsamerweise empfindet man es heute oftmals als „lieblos“, wenn Irreführer konfrontiert und bloßstellt werden, während man den Geboten Gottes gegenüber ungehorsam ist4 und zusätzlich noch das Risiko in Kauf nimmt, dass schwache Geschwister unterdrückt und geschädigt werden.

 

Nein, wir dürfen nicht aus falscher Rücksichtnahme riskieren, dass Menschen in die Irre geführt werden. Niemand ist so groß und unfehlbar (oder so erfolgreich), dass seine Person, die Inhalte seiner Verkündigung und seine Praktiken nicht mehr am Wort Gottes geprüft werden müssten. Wir dürfen nicht zu Lehren schweigen, die ganze Teile der Christenheit glaubensmäßig schädigen. Die wahre Liebe (agape) „... freut sich mit der Wahrheit“ (1.Kor 13,6) - nicht mit ungesunden, verkehrten Lehren! Wirkliche Liebe hat das geistliche Wohlergehen der Glaubensgeschwister im Auge (siehe Spr 24,11.12).

___________________________

4 Unsere Liebe zu Gott wird an der Bereitschaft festgemacht, seine Gebote zu erfüllen. Jesus sagt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; ... Wer mich nicht liebt, der hält meine Wort nicht.“  (Joh 14,21.24) Zu den Geboten Jesu gehören übrigens auch jene Anweisungen, die uns sein Geist durch die Briefe der Apostel übermittelt hat – z.B. die Bibelzitate auf den Seiten 12 u. 13.

____________________________________

 

Wenden wir uns noch einmal dem Alten Testament zu. Betrachten wir das Beispiel Davids. Er hatte mehrmals die Gelegenheit Saul, der ihm nach dem Leben trachtete, im Schlaf zu töten. Einmal in der Höhle bei En-Gedi, ein anderes Mal im Lager auf dem Hügel Hachila (1.Sam 24 und 26). Es schien sogar so, als hätte der HERR selbst den Saul in die Hand Davids gegeben (1.Sam 24,5; 26,8). David war zu diesem Zeitpunkt ja bereits schon zum König gesalbt worden, weil Saul durch Ungehorsam seine Berufung verscherzt hatte. Als David in der Höhle zu En-Gedi aufgrund dieser scheinbaren Fügung von seinen Gefährten ermutigt wurde, Saul zu töten, sagte er:

 

 „Das sei vor dem HERRN ferne von mir, dass ich so etwas an meinem Herrn, dem Gesalbten des HERRN, tun sollte, meine Hand an ihn zu legen, denn er ist der Gesalbte des HERRN!“ (1.Sam 24,7)

 

Dasselbe sagte er zu Abischai auf dem Hügel Hachila. Da fügte er sogar noch hinzu: „Wer könnte seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN ausstrecken und ungestraft bleiben?“ (1.Sam 26,9b)

 

Was meinte David, als er sagte, dass er den Gesalbten des HERRN nicht antasten werde? Er meinte damit, dass er Saul nicht leiblich töten werde. Davor hat er sich gehütet. Wohl aber hat er ihm in beiden Fällen widersprochen. Er hat Saul sowohl zur Rede gestellt als auch sein Unrecht öffentlich entlarvt. David hat zwar das Leben Sauls geschont, aber er hat ihn vor den Augen und Ohren aller bloßgestellt, so dass dieser schließlich bekennen musste: „Ich habe gesündigt!“  (1.Sam 26,21)

Der gleiche David, der sagte, dass er seine Hand nicht an den Gesalbten des HERRN legen werde, hatte also keine Probleme damit, Saul öffentlich (vor dem ganzen Volk Gottes) zur Rede zu stellen und dabei dessen hässliche Gesinnung und falsches Handeln anzuprangern.

 

Außerdem dürfen wir nicht übersehen, dass es damals noch einen dritten „Gesalbten“ gab: Samuel. Dieser Prophet Gottes scheute sich nicht, auf Geheiß des HERRN einen anderen „Gesalbten“ (= Saul) „anzutasten“. Er tastete Saul nicht mit einem eisernen Schwert an, sondern mit dem Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist“ (Eph 6,17). Der Prophet Samuel wies Saul in aller Schärfe zurecht und verkündete dem ungehorsamen König das Urteil Gottes:

 

„Widerspenstigkeit ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du das Wort des HERRN verworfen hast, so hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.“ (1.Sam 15,23)

 

Das gleiche gilt auch heute noch: Wer das Wort Gottes „verwirft“ – indem er es in unvollständiger oder grob verfälschter Weise predigt bzw. praktiziert –, der setzt seine Berufung aufs Spiel (Jak 3,1;  Apg 20,26.27;   Gal 1,8).

 

Wer sich in geistlicher Leiterschaft befindet (in einem der Ämter des „fünffältigen Dienstes“), der sollte sich die Haltung des Apostel Paulus zu eigen machen. Paulus pochte nicht auf eine vermeintliche Immunität und Unantastbarkeit. Er ließ sich von anerkannten Autoritäten (nicht von Unmündigen!) geistlich und lehrmäßig „durchchecken“. Er wollte es nicht riskieren, durch falsche Lehren Unheil anzurichten, für das ihn der Herr dann zur Rechenschaft hätte ziehen müsste:

 

„Ich zog aber einer Offenbarung zufolge hinauf (nach Jerusalem) und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predigte, ... damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen wäre. ... als sie sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen (= Nichtjuden) anvertraut war ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen - denn der (Geist Gottes), der in Petrus zum Apostelamt für die Beschnittenen wirksam war, war auch in mir für die Nationen wirksam - und sie die Gnade erkannten, die mir gegeben worden ist, gaben Jakobus und Kephas (= Petrus) und Johannes, die als Säulen (der Gemeinde) angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft (= Bestätigung), damit wir unter die Nationen gingen, sie aber unter die Beschnittenen.“  (Gal 2,2.7-9)

 

Wirkliche „Männer Gottes“ und „Frauen Gottes“ werden - wie Paulus - gerne dazu bereit sein, sich von den entsprechenden Autoritäten geistlich auf Herz und Nieren prüfen zu lassen (indem sie beispielsweise ein paar ihrer Predigt- und Lehrkassetten oder Schriften mit zentralem Inhalt an kompetente Personen weiterreichen, mit der Bitte, den Inhalt zu beurteilen).

 

Leiter mit „pastoraler Gesinnung“ (mit einem „Hirtenherzen“) werden auch denen gegenüber kritikfähig bleiben, denen sie mit ihrer Berufung dienen. Sie werden sich nicht als unnahbare und unantastbare Leiterriege abschotten. Sie werden wohlmeinende, sachlich begründete Bedenken ernst nehmen und sich auch immer wieder der eingehenden Selbstprüfung unterziehen: „Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk.“ (Gal 6,4  –  siehe auch  1.Kor 3,11-17)

 

Wirklich geistliche Leiter sind sich darüber bewusst, dass sie nicht fehlerfrei und vollkommen sein müssen, aber belehrbar und korrekturfähig. (Darin sollen sie ja als gute Hirten den Schafen ihrer Herde Vorbilder sein - 1.Petr 5,3). Sie werden sehr darum bemüht sein, sich und ihren Dienst unerschütterlich auf das unvergängliche Wort Gottes und auf die „Salbung“ (nicht auf eine privilegierte Position des „Gesalbtseins“) zu gründen.

 

Wer diese Dinge versäumt, dem könnte es passieren, dass er eines Tages von enttäuschten, erbitterten Glaubensgenossen auf recht unangenehme Weise „angetastet“ wird  –  oder sogar vom HERRN!

 

*                *                *

 

Jesus Christus sagt seinen Jüngern:

 

„Ihr wisst, dass die Regenten der Nationen sie (d.h. ihre Untertanen) beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie üben. Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben ...“

Matthäus 20,25-28

 

„Wehe den Hirten, die sich selbst weiden! ... Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt und das Kranke nicht geheilt und das Gebrochene nicht verbunden und das Versprengte nicht zurückgebracht und das Verlorene nicht gesucht, sondern mit Härte habt ihr über sie geherrscht und mit Gewalt.“

Hesekiel 34,1b.4

 

„Und ich werde euch Hirten geben nach meinem Herzen,

und sie werden euch weiden mit Erkenntnis und Verstand.“

 

Jeremia 3,15

Bücher zum Thema:

 

Kessler, Volker und Martina: Die Machtfalle (Machtmenschen in der Gemeinde) BrunnenVerlag Gießen (2001)

 

Lovas, Edin: Wölfe in Schafspelzen  (Machtmenschen in der Gemeinde) Brendow Verlag (1996)

 

Johnson, David u. VanVonderen, Jeff:  Geistlicher Missbrauch (Die zerstörende Kraft der frommen Gewalt) Projektion J  (1996)

 

Van Vonderen, Jeff:  Sie wollen nur dein Bestes (Wie man Enttäuschungen und Verletzungen in der Gemeinde überwinden kann)  Projektion J (1997)

 

Quadflieg, Kurt:  „... und sie werden viele verführen“ (Die erschütternde Bilanz eines Insiders) Selbstverlag / Auslieferung Hänssler Verlag (1996)

 

von der Kammer, Albert: „Hütet die Herde“  (Ein Wort für die Ältesten) Christliche Verlagsgesellschaft (3. Aufl. 1992)

 

Bremicker, E.A.:  Ich will nach meinen Schafen fragen (Hirtendienst im Licht von Hesekiel 34) Beröa-Verlag (1996)

 

Sibthorpe, Charles:  Unter höherem Befehl (Prinzipien christlicher Leiterschaft) Projektion J (3. Aufl. 1990)

 

 

Marshall, Tom:  Erfolgreiche Leiterschaft – (K)ein Ding der Unmöglichkeit?, Jugend mit einer Misson Verlag (1993)

Hier der Download-Button für das kostenlose pdf-Dokument „Tastet den Gesalbten nicht an!“ (19 Seiten, 1,25 MB):

Download
Tastet den Gesalbten nicht an - ntl. Lei
Adobe Acrobat Dokument 1.3 MB