Tastet den Gesalbten nicht an!

Joachim Hübel

 

Eine biblische Studie

 

Sind die Leiter einer christlichen Gemeinde unantastbar?

 

Fordert das Neue Testament die kritiklose Unterwerfung

unter die Gemeindeleitung?

 

Was unterscheidet die neutestamentliche Leiterschaft

 

von der alttestamentlichen Führerschaft?

gewidmet:

allen Glaubensgeschwistern,

die durch eine überautoritäre Leiterschaft verletzt

 und in der Verwirklichung ihrer Berufung behindert wurden

In den Schriften des Alten Testaments finden wir die Warnung des HERRN:

 

„Tastet meine Gesalbten nicht an, tut meinen Propheten nichts Übles!“ 

(Ps 105,15;   1.Chr 16,22)

 

Diesen Spruch bekommt man immer wieder einmal zu hören, wenn über Gemeindeleiter oder andere Personen, die sich in geistlicher Autorität befinden, irgendwelche kritischen Äußerungen gemacht werden: „Tastet den Gesalbten nicht an!“

Das geht mitunter so weit, dass manche Gläubige regelrecht Angst davor haben, den Führungsstil, die Praktiken und die Lehren ihrer Leiter zu hinterfragen und anhand des Wortes Gottes nüchtern zu prüfen. Lieber ordnet man sich kritiklos unter und meint, auf diese Weise seine Verantwortung abgeben zu können.

 

Wir wollen hier einmal der Frage nachgehen, ob die alttestamentliche Aussage über die „Gesalbten“ uneingeschränkt auf die neutestamentliche Leiterschaft übertragbar ist. Konkret: Sind geistliche Leiter heute unantastbare „Gesalbte“?

 

Im Alten Bund wurde nur ein bestimmter Personenkreis von Gott mit Heiligem Geist „gesalbt“ (d.h. erfüllt) und dadurch zum Dienst autorisiert (d.h. mit bestimmten Vollmachten ausgerüstet): Priester, Propheten, Richter und Könige.  Das war die „Leiterschaft“ im Alten Testament.

 

Diese Personen wurden meist von bereits Gesalbten (d.h. bereits anerkannten Autoritäten) in ihre Position eingesetzt und dann oftmals zeichenhaft mit dem „heiligen Salböl“ gesalbt (2.Mo 37,29;  29,7;  3.Mo 8,12;  1.Sam 16,3.12.13;   2.Sam 2,4; 5,3;  1.Kö 1,34;  19,15.16). Auch heute ist es wichtig, dieses Prinzip der Einsetzung und Sukzession (das eine legitime Übertragung bzw. Bestätigung von Autorität fordert) zu beachten, da sich sonst jemand ein Amt oder eine Stellung anmaßen könnte, das ihm gar nicht zukommt. Aus diesem Grund gab der HERR dem Propheten Samuel die Anweisung:

 

„Und du sollst mir den salben, den ICH dir nennen werde.“ (1.Sam 16,3)

 

Berufungen kommen von Gott, brauchen aber Bestätigung, da sich die Betreffenden täuschen können.  Auch heute noch sollten Personen von bereits bestätigten und bewährten Leitern (z.B. Aposteln, Pastoren) in leitende Positionen eingesetzt werden. Diese Autorisierung - die nie in leichtfertiger Weise gehandhabt werden darf - geschieht gemäß der Schrift unter Handauflegung  (siehe  1.Tim 4,13.14;   5,22;   Apg 6,6;  13,1-3).

 

Leitende Personen, denen diese Legitimation fehlt, müssen besonders eingehend geprüft werden, ob ihnen leiterschaftliche Autorität zukommt - d.h. ob sie überhaupt zum Personenkreis der „Gesalbten“ (Leiter) gehören (und daher von anderen den entsprechenden Respekt erwarten dürfen).

Aber selbst bestätigte Leiter sind nicht immer von Gott Berufene. - Und unbestätigte Personen können durchaus von Gott Berufene sein. Leider gibt es auch wirklich Berufene, die vor der Zeit bestätigt und eingesetzt wurden und dadurch zu Fall gekommen sind  - siehe  1.Tim 3,6.10;   5,22.

 

Wie damals in alttestamentlicher Zeit, so werden nun auch im Neuen Bund bestimmte Personen in besonderer Weise zum Leitungsdienst „gesalbt“: die Apostel, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und die Lehrer (Eph 4,11). Das ist der so genannte „fünffältige Dienst“. Auch bei diesen ist es erforderlich, dass sie von Gott berufen und „von Gott gesetzt (o. gegeben)“ sind (Eph 4,11).

Ist das der Fall, dann haben diese „Diener“ und „Mitarbeiter Gottes“ (1.Kor 3,9) innerhalb des ihnen von Gott gegebenen „Wirkungskreises“ Amtsvollmacht (2.Kor 10,13.16). Diese Autorität ist ihnen zum „Dienen“ (Mt 20,25-28) und zur „Erbauung“ der Gläubigen gegeben (2.Kor 13,10), nicht zum (eigen-mächtigen) „Herrschen“ (1.Petr 5,3). Im Wirkungsbereich ihres Amtes dürfen sie von den ihnen anvertrauten Personen Achtung und Unterordnung erwarten:

 

Gehorcht und fügt euch euren Führern, denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre euch nicht nützlich.“ (Hebr 13,17  - siehe auch:  1.Thess 5,12.13;   1.Petr 5,5)

 

Allerdings hat diese Unterordnung auch ihre Grenzen! Jesus Christus - der Herr und das Haupt der Gemeinde - sagt den Hirten (Pastoren):

 

Hütet  die  Herde, die bei euch ist ... Gott gemäß!“  (1.Petr 5,2)  

Das heißt aber, dass die Pastoren /Ältesten1 die Gemeinde in einer Weise leiten müssen, die vom Wort Gottes her klar nachvollziehbar ist. Sie müssen das tun und lehren, was der Herr ihnen durch sein Wort aufgetragen hat. Wenn sie das in grundlegenden, heilsentscheidenden Dingen nicht tun, dann können und dürfen wir uns ihnen nicht unterordnen!

 

Außerdem heißt es im Neuen Testament:

 

„Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die anerkennt, die unter euch (im geistlichen Dienst) arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen ...“  (1.Thess 5,12)

 

Solche Leiter aber, die nicht im Herrn vorstehen, kann (darf!) man nicht so ohne weiteres anerkennen, nur weil sie sich in einer Leitungsposition befinden.

 

Leiter, die sich eigenmächtig über neutestamentliche Anweisungen der Schrift hinwegsetzen, erfüllen nicht (mehr) die Qualifikation, die dieses Amt erfordert (Tit 1,7). Leiter, die ihren anvertrauten Seelen Dinge abverlangen, die in grober Weise der Schrift zuwiderlaufen, stehen ihrer Gemeinde nicht mehr „im Herrn“ vor, sondern „im Fleisch“!

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1  Nach neutestamentlicher Ordnung soll jede Gemeinde von einem Gremium aus mehreren Ältesten geleitet werden. Diese Ältesten sind  die „Hirten“ (Pastoren) und „Aufseher“ der Gemeinde - siehe Apg 20,17.28;  14,23;  1.Tim 3,1-7;  Tit 1,5-9.

 

 

 

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