Kritik an WORTHAUS

 

Eine geistliche Beurteilung von „WORTHAUS“ und der dort angebotenen bibelkritischen, liberalen Populär-Theologie

Joachim Hübel (2021)

Dieser Beitrag steht ganz unten als kostenloses pdf-Download-Dokument zur Verfügung (26 Seiten, 4 MB).

Die Selbstdarstellung von WORTHAUS beginnt auf ihrer Website mit der Erklärung:

Der Worthaus e. V. wurde 2010 mit dem Ziel gegründet, den aktuellen Diskussionstand der christlichen Hochschultheologie einem breiten Publikum verständlich und in Form von Video- und Audiovorträgen im Internet kostenfrei zugänglich zu machen. Worthaus will allen, die sich für den christlichen Glauben interessieren, ein spannendes, informatives und inspirierendes Angebot auf hohem inhaltlichem Niveau machen. Dabei legt Worthaus wert auf theologische Substanz, Verständlichkeit und gesellschaftliche Relevanz.“ (Die WORTHAUS-Idee)

Die Initiative „WORTHAUS“ ist ein Zusammenschluss von 30 liberal-bibelkritisch gesinnten, akademischen Theologen (Referenten) und tritt als Web-Dienst auf. Mit ihren Beiträgen (siehe Medien-Angebot) stellen sie Grundpositionen biblisch-christlicher Ethik und Heilsgrundlagen in Frage. Insbesondere ist ihr Bestreben offensichtlich darauf gerichtet, durch akademisch-wissenschaftliche Bibelkritik (historisch-kritische Methode) das evangelikale Bibelverständnis zu korrumpieren. Aufgrund ihrer rationalistisch geprägten Sichtweise können die Referenten von WORTHAUS das biblische Wort Gottes in seiner Gesamtheit nicht als unfehlbare, inspirierte Selbstoffenbarung Gottes anerkennen. Dadurch missachten sie den Autoritätsstatus, den Gott für sein geschriebenes Wort beansprucht. Die WORTHAUS-Beiträge entfalten insgesamt einen paralysierenden (zersetzenden) Einfluss auf das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der biblischen Glaubensbasis. Darüber hinaus werden klare biblische Lehrpositionen aufgelöst und durch akademisch-theologische Substitute ersetzt (z.B. bei der Art und Weise des Heilsempfangs).

 

Die Beiträge der Referenten von WORTHAUS liefern ein anschauliches Beispiel dafür, wie man sich durch eine Modul-Baukasten-Methode eine tendenziöse, benutzerdefinierte Populär-Theologie zusammenbauen kann. Was dabei herauskommt, lässt sich mit einem theologischen Kuchen vergleichen, der nach folgender Rezeptur hergestellt wurde: Als gesiebtes Mehl nehme man eine große Portion gefälliger Bibeltexte (vor allem solche, die von der Liebe und Gnade Gottes handeln), füge dem eine ordentliche Portion Kirchengeschichte hinzu und ein doppeltes Quantum konfessionell geprägter Theologie (z.B. Augustinus, Luther, Melanchthon, Bucer, Baur, Schleiermacher, Dibelius, Harnack, Brunner, Ebeling, Tillich, Bonnhoefer, Barth o.ä.) - auch eine Prise Bultmann und Sölle sollte nicht fehlen -, schlage ein paar Eier der Philosophie und der Psychologie hinein, gebe eine handvoll Ökumene-Rosinen dazu, als Backtriebmittel verwende man reichlich rationale Vernunft und skeptizistische „wissenschaftliche“ Bibelkritik und verrühre das Ganze mit einem viertel Liter kluger Gedanken (z.B. urtextlich-etymologische Begriffsanalysen) und einem ordentlichen Klecks des Schmalzes der Polemik gegen „konservativ-bibeltreue“, „fundamentalistische“ Evangelikale. Nach dem Backen überziehe man das ganze Machwerk mit der Glasur des akademisch-wissenschaftlichen Anspruchs. – Mmmm … wie lecker! – Wer von diesem Backwerk isst, dem kann es allerdings passieren, dass er sich dauerhaft den geistlichen Magen verdirbt, seinen rettenden Glauben verliert und für das Reich Gottes untauglich wird. Man könnte meinen, der Text in Offenbarung 10,10 sei eine treffende Beschreibung des besagten populär-theologischen Kuchens: „Und ich nahm das Büchlein … und aß es auf; und es war in meinem Mund süß wie Honig, und als ich es gegessen hatte, wurde mein Bauch bitter gemacht (d.h. vergiftet!).“

Wir müssen zwischen zwei Kategorien von Bibelkritikern unterscheiden:

a) den atheistischen, ungläubigen Bibelkritikern, die die Existenz Gottes kategorisch leugnen bzw. eine „Gott ist tot-Theologie“ vertreten

b) den „gläubigen“ Bibelkritikern, die zwar von der Existenz Gottes ausgehen, aber keineswegs davon überzeugt sind, dass die ganze Bibel Gottes Wort ist, sondern meinen, „die Bibel sei Menschenwort in dem (auf irgendeine Weise) Gottes Wort enthalten sei“.

Erstere betreiben Bibelkritik um nachzuweisen, dass es keinen Gott gibt, und dass die Bibel aufgrund ihrer Fehler und Widersprüche nicht das übernatürlich inspirierte Wort Gottes sein könne. Die Vertreter der zweiten Kategorie üben Bibelkritik, weil sie anhand redaktions- und formgeschichtlicher Untersuchungen sowie durch Text- und Stilkritik und Traditionskritik herausfinden wollen, wo möglicherweise Spuren von authentischem Gotteswort im Menschenwort zu finden seien. Letztere können sogar in bedingter Weise von einer Inspiration der Bibel sprechen, doch sie können auf keinen Fall die „Irrtumslosigkeit“ oder gar die „Unfehlbarkeit“ der biblischen Texte bezeugen. Denn sie trauen einem übernatürlichen, allmächtigen Schöpfer nicht zu, dass dieser den Menschen zu seiner Selbstoffenbarung die Bibel als zuverlässige, untrügliche Erkenntnis- und Glaubensgrundlage anvertraut habe. Faktisch unterstellen sie Gott sogar, dass er den Menschen durch die Bibel ein fehlerhaftes, irreführendes Rätselbuch hat zukommen lassen, durch das er sie an der Nase herumführe.

 

Die akademisch betriebene Bibelkritik erhebt den Anspruch „wissenschaftlich“ zu sein. Doch es hat sich längst herausgestellt, dass sie es nicht ist. Die von ihr verwendeten Kriterien sind einerseits recht willkürlich gewählt und andererseits zur Beurteilung der übernatürlichen, geistlichen Dinge und der großartigen Person Gottes völlig unzureichend – siehe dazu den Beitrag von Prof. Dr. Jacob Thiessen (Rektor d. Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule [STH] Basel und Dozent für Neues Testament) mit dem Titel „Wissenschaftlichkeit der Bibelkritik längst widerlegt“ jetzt neuer Titel: „Die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung kritisch hinterfragt"

Das von WORTHAUS erhobene Leitmotto „noch einmal alles vorurteilsfrei in Frage zu stellen“, ist trügerisch. Denn hinter diesem kritischen Ansatz verbirgt sich  nichts weiter als ein kategorischer Skeptizismus, der von vornherein die übernatürliche Verfasserschaft des allmächtigen Gottes als Autor der Bibel in Frage stellt und ablehnt –­ also von wegen „vorurteilsfrei“! Im Paradigma der Bibelkritiker werden die übernatürlichen Möglichkeiten, die einem allmächtigen Gott zur Verfügung stehen, ausgeblendet. Ebenso die universale, überraumzeitliche Dimension des Wortes Gottes – nämlich dass Gott sein Wort von vornherein an alle nachfolgenden Generationen und Völker der Welt gerichtet hat. In dieser Hinsicht hat er die von ihm ausgewählten Schreiber immer wieder angewiesen, die inspirierten Texte schriftlich zu fixieren:

Schreib die Vision auf, und zwar deutlich auf die Tafeln, damit man es geläufig lesen kann. Denn die Vision gilt erst für die festgesetzte Zeit, und sie strebt auf das Ende hin und lügt nicht. Wenn sie sich verzögert, warte darauf; denn kommen wird sie, sie wird nicht ausbleiben.“ (Hab 2,2.3)

„So spricht der HERR, der Gott Israels: Schreibe dir alle Worte, die ich zu dir geredet habe, in ein Buch! (Jer 30,2)

Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Gemeinden.“ (Offb 1,11)

„Danach sprach der HERR zu Mose: Schreib dies zur Erinnerung in ein Buch“ (2.Mo 17,14)

Nimm dir eine Schriftrolle und schreib darauf all die Worte, die ich zu dir geredet habe über Israel und über Juda und über alle Nationen, von dem Tag an, da ich zu dir geredet habe, von den Tagen Josias an bis auf diesen Tag!“ (Jer 36,2)

„… unsere Väter waren alle unter der Wolke und sind alle durch das Meer hindurchgegangen und wurden alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft und aßen alle dieselbe geistliche Speise und tranken alle denselben geistlichen Trank - denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete; der Fels aber war der Christus. An den meisten von ihnen aber hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste hingestreckt worden. - Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach Bösem gierig sind, wie jene gierig waren … Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen! … Auch lasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben … Lasst uns auch nicht den Christus versuchen … Murrt auch nicht wie einige von ihnen murrten und von dem Verderber umgebracht wurden! – Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild [für uns] und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist. (1.Kor 10,1-11)

 

Die ständigen Aufforderungen Gottes, seine Worte, Erklärungen und Anweisungen präzise aufzuschreiben und weiterzugeben, sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott von vornherein die Absicht hatte, ein Buch (eine „Bibel“) mit inspirierten Texten zusammenzustellen, dass er den Menschen als autoritative Bedienungs- und Rettungsanleitung in die Hand gibt. 

Das bedeutet, dass wir die biblischen Texte nicht (allein) unter dem Gesichtspunkt studieren sollen „was wollte Gott den Menschen damals dadurch mitteilen“, sondern aus der Perspektive: „Was will Gott, der HERR, mir hier und heute damit sagen?“ (siehe Röm 4,23-25) Wer diese zeitlose Dimension des lebendigen Wortes Gottes ausblendet, der kann all seine exegetischen Deutungsversuche einpacken und nach Hause gehen! Der sollte die Gläubigen nicht mit seinem Rationalismus und notorischen Skeptizismus vergiften und ihnen in die Suppe spucken! Denn das wäre ihm selbst zum größten Schaden, weil geschrieben steht: „Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir [als Lehrer/Theologen] ein schwereres Urteil (o. Gericht) empfangen werden!“ (Jak 3,1) „Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anstoß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ (Mt 18,6) Auch im Buch der Offenbarung spricht der Herr eine ernste Warnung für jene aus, die meinen, sie müssten dem Wort Gottes etwas hinzufügen bzw. etwas davon für ungültig erklären und wegnehmen (siehe Offb 22,18.19 – vgl. 5.Mo 13,1;  Spr 30,5.6). – Ein Slogan von WORTHAUS lautet: „Wer die Bibel wörtlich nimmt, der nimmt sie nicht ernst.“ – Ein Slogan des (echten) Evangelikalismus lautet: „Wer das biblische Wort Gottes durch Bibelkritik antastet, der nimmt die Warnungen nicht ernst, die Gott diesbezüglich ausgesprochen hat.“

 

Selbst gläubige Bibelkritiker können bei einem Text der Heiligen Schrift nie mit letzter Sicherheit sagen, ob oder inwieweit Gott durch die darin enthaltenen Worte klare Aussagen macht, und ob diese auch für heutige Menschen gültig sind. Diese Haltung führt zu einer verschwommenen Theologie, die nicht zulässt, dass man/frau zu einer klaren Erkenntnis über Gott, seine Absichten und sein Handeln gelangt. Außerdem öffnet diese Haltung der menschlichen Willkür Tür und Tor: Der Mensch kann dann vermittels seiner Vernunft und seiner bedürfnisorientierten Erwartungen eigenmächtig definieren, wer Gott ist, was er sagt  bzw. nicht sagt, und was er von uns Menschen möchte. In der Folge hat das zu jenem weichgespülten Evangelium und populär-theologischen Gottesbild geführt, welche uns heute variantenreich unter den meisten Christen – seien sie nun volkskirchlich, freikirchlich oder liberal-evangelikal – begegnen. 

Im Unterschied dazu finden wir unter den entschiedenen Christen auch heute noch eine Fraktion, die von der vollumfänglichen Inspiration des ganzen biblischen Wortes Gottes überzeugt ist. Sie vertreten die „Irrtumslosigkeit“ und die „Unfehlbarkeit“ der Bibel – also deren absolute Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit. Was aber keineswegs heißen muss, dass sie der Auffassung sind, die Bibel enthalte keinerlei (von Gott gebilligten!) Irrtümer und Unstimmigkeiten. Natürlich gibt es auch Christen, die kategorisch erklären, in der Bibel seien überhaupt keine Fehler zu finden. Diese Position ist nicht haltbar. Doch wir brauchen uns nicht vor Fehlern und Unstimmigkeiten in der Bibel zu fürchten! Sie sind kein Zeichen dafür, dass die Bibel nicht Gottes zuverlässiges Wort ist. An keiner Stelle betreffen die (vermeintlichen oder tatsächlichen) Dissonanzen die wesentlichen Inhalte und entscheidenden Heilswahrheiten. Daher brauchen wir uns nicht weiter darum zu kümmern. Denn welche Heilsgefährdung soll denn bitteschön davon ausgehen, ob es in Jericho nun ein Blinder war, der geheilt wurde, oder ob es zwei Blinde waren – oder ob es sich dabei um zwei ganz verschiedene Begebenheiten handelte. 

Gott hätte uns in seiner Allmacht eine perfekte, völlig fehlerfreie Heilige Schrift übermitteln können. Doch er hat in seinem Wort eine gewisse Unschärfe zugelassen, um die Herzen zu prüfen und die Geister zu scheiden. Gott hat sein Buch nicht von „Schreibmaschinen“ (spiritistischen Schreibmedien) verfassen lassen, sondern von zuverlässigen Augen- und Ohrenzeugen aufschreiben lassen. Diese wurden vom Heiligen Geist inspiriert und geführt (Joh 5,27;  14,26;  19,35;  Apg 1,8;  2,32;  5,32;  13,31;  1.Petr 5,1). Ermittler bei der Polizei oder beim Geheimdienst wissen: sowohl eine zu große als auch eine zu geringe Differenz bei Zeugenaussagen stellt deren Glaubwürdigkeit in Frage; eine geringfügige Differenz hingegen ist ein klares Anzeichen dafür, dass die Zeugenaussagen glaubwürdig sind. Gott kann sich bei seinem unfehlbaren Bibelwort durchaus einige Kratzer und Rostflecken leisten. Wer mit der Lupe an das Wort Gottes herantritt um Fehler zu suchen, der wird fündig werden. Doch wahre Liebe sucht bei der bzw. dem Geliebten nicht die Pickel oder Schrammen. Und wer im Essen herumstochert, um die darin verborgenen Partikel, Haare und Insekten zu finden, der wird des Essens nicht mehr froh. Wenn wir der Bibel in solcher Haltung begegnen, dann strangulieren wir unser eigenes geistliches Leben und verhungern, weil wir zu Kostverweigerern werden (vgl. Mt 4,4;  Ps 102,5;  Spr 13,13,  4.Mo 15,31;  Hos 4,6). Wir sollten beim Lesen der Bibel vielmehr auf die unvorstellbar große Fülle an Fakten und erstaunlichen Details blicken, die klare Hinweise liefern auf die übernatürlich göttliche Offenbarungsqualität und auf die überragende Weisheit dieses Buches! – Das biblische Wort scheidet die Geister, weil es lebendig und wirksam ist (Hebr 4,12). Wer beim Bibelstudium textkritisch auf die unterschiedlichen Stile und Sprachmittel achtet, der hat wenig von der Arbeitsweise Gottes begriffen. Bibelkritiker ziehen nicht in Betracht, dass ein allmächtiger Gott auch ein souveräner Herr über alle Umstände und Einflüsse ist, die dazu beitragen mussten, dass das biblische Wort Gottes durch einen göttlich gelenkten Editions-Prozess ganz im Sinne des himmlischen Autors gestaltet und geformt wurde. Wer damit beginnt, im biblischen Wort herumzustochern, um die darin enthaltenen Unstimmigkeiten zu finden, der wird des Lesens nicht mehr froh.

 

Die Sichtweise evangelikaler Christen unterscheidet sich gravierend von der Perspektive bibelkritischer Theologen und Christen: Bibeltreue Evangelikale sind (überwiegend) von der vollständigen Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel überzeugt, gehen aber davon aus, dass Gott (aus oben besagten Gründen) bewusst ein paar Unstimmigkeiten zugelassen hat. Sie betrachten die Bibel als Schatztruhe, die angefüllt ist mit dem Gold, dem Silber, den Juwelen und den Perlen des Wortes Gottes. Dazwischen befinden sich – mit Gottes Billigung – einige Sandkörner der Unstimmigkeit. Bibelkritiker hingegen – sofern sie überhaupt gläubig sind – gehen davon aus, dass „die Bibel Menschenwort ist, das (irgendwie) Gottes Wort enthält“. Sie betrachten die Bibel mehr als Sandkasten, der mit dem Sand der Menschenworte und dem Geröll von Irrtümern gefüllt sei. Und dazwischen seien ein paar Gold- und Silberkörner und Edelsteine von Gottesworten zu finden. Um festzustellen, was von alldem nun der Sand und was die Nuggets und Edelsteine sind, dazu seien nur akademisierte Theologen befähigt. Otto-Normal-Christen hätten aufgrund ihres Mangels an wissenschaftlicher Kompetenz null Chance, den Unterschied zu erkennen. 

Bei den akademisch-universitären Bibelkritikern tritt uns eine verquere Gottesvorstellung entgegen, die sich folgendermaßen beschreiben lässt: Gott sitzt händeringend auf seinem Thron und hofft, dass irgendetwas von den inspirierten Botschaften, die er im Himmel abgeschickt hat, unten auf der Erde bei den Menschen ankommt. Das aber ist nicht der allmächtige, allgegenwärtige und allwissende Gott der biblisch orientierten, evangelikalen Gläubigen. Ihr Gott ist „nicht fern“ (Apg 17,27), sondern in seiner Schöpfung anwesend; und er handelt souverän und „wirkt alles nach dem Rat seines Willens“ (Eph 1,11 – siehe auch Jes 14,24;  46,10;  Dan 4,32;  Ps 115,3;  135,6;  Hi 42,2).

 

Gemäß der Auffassung der akademischen Bibelkritiker müsste man meinen, Gott habe – sofern man ihm überhaupt ein absichtsvolles und zielgerichtetes Mitwirken bei der Entstehung der Heiligen Schrift zugesteht – die Bibel in erster Linie für Theologen und „Schriftgelehrte“ bestimmt. Evangelikale Christen gehen jedoch davon aus, dass Gott sich gerade den einfachgestrickten Unmündigen und Einfältigen (sprich: die Armen im Geist – siehe Mt 5,3) offenbart. Deshalb „jubelte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.“ (Lk 10,21;  Mt 11,25) – denn „das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.“ (1.Kor 1,27-29) Daher können wir getrost davon ausgehen, dass Gott sein biblisches Wort ganz allgemeinverständlich formuliert hat, damit es gerade auch einfache Menschen verstehen und als inspiriertes Gotteswort identifizieren können. - Nein, wir müssen nicht zurück ins 13. Jh., als die katholische Kirche auf dem Konzil von Valencia allen Laien den Besitz und das Lesen der Bibel strengstens verboten hat, weil diese nicht in der Lage seien, die biblischen Texte richtig zu interpretieren.

Wir sollten uns bewusst machen, dass der allmächtige Schöpfer des Universums durchaus in der Lage gewesen ist, uns ein irrtumsloses Buch in die Hand zu legen, das eine zuverlässige Grundlage für unsere geistliche Erkenntnis und für unseren Glauben ist. Gott ist ja der, „bei dem sogar die Haare unseres Hauptes gezählt sind“ (Mt 10,13) und ohne dessen Einwilligung nicht „ein Sperling vom Himmel fällt“ (Mt 10,29;  Lk 12,6). Er ist es, der sogar unsere geheimsten Gedanken kennt (1.Chr 28,9;  Ps 139,4;  Lk 5,22). Wie sollte er da nicht jeden Buchstaben seines Wortes kennen und darüber wachen, dass in der Bibel nur das steht, was er will! (vgl. Mt 5,18;  24,35;  Ps 119,89) Dazu gehört auch das Phänomen, dass es überhaupt keinen Widerspruch darstellt, dass es von der Bibel in dynamischer Weise unterschiedliche, von einander abweichende Textvarianten gibt. Das ist nur für die Bibelkritiker ein Problem, die mit einer verengten, mathematisch „wissenschaftlichen“ Betrachtungsweise an den Buchstaben der Bibel herantreten, aber den Geist des Wortes nicht zu erfassen vermögen. Mit den Werkzeugen ihrer Methoden sezieren sie lediglich einen toten Bibel-Leichnam (Textkörper). Sie sind wie Gehörlose, die nur das sehen, was vor Augen ist, die aber außerstande sind, mit ihren Herzensohren im biblischen Wort das lebendige Reden des Geistes Gottes zu vernehmen.

 

Das lebendige Wort Gottes ist übrigens nicht nur als „Verbum“ – d.h. in der verbalen Verkündigung (Predigt) – ein lebendiges, wirksames Wort, sondern auch als „Scriptum“ – d.h. als geschriebenes Wort.

Wer von der vollumfänglichen Inspiration und von der göttlichen Bewahrung des bibli-schen Wortes ausgeht, der akzeptiert den Anspruch, den Gott für sein Wort erhebt: Es ist „das lebendige und bleibende Wort Gottes. … das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dies aber ist das Wort, das euch als Evangelium verkündigt worden ist.“ (1.Petr 1,23.25 i.V.m. Jes 40,8) „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz (= Thora/Pentateuch) vergehen, bis alles geschehen ist.“ (Mt 5,18) „Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.“ (Mk 13,31) Alle Schrift ist von Gott eingegeben [wörtl. gottgehaucht; griech. theopneustos] und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit …“ (2.Tim 3,16) Die Worte des HERRN sind reine Worte - Silber, am Eingang zur Erde geläutert, siebenmal gereinigt.“ (Ps 12,7 – siehe auch Ps 119,140;  Spr 30,5.6) Siehe dazu auch meine Internet-Beiträge auf der Homepage des Exegesa-Bibel-Lehrdienstes:

Die Bibel ist Gottes Wort   –   Die Bibel - das sichere Fundament

Bibel und Wissenschaft   –   Zurück zur ganzen Bibel.

Wie wir zur Bibel als Wort Gottes stehen, das hat etwas mit uns selbst zu tun - das ist ein Indikator. Unsere Einstellung ändert ja nichts an der Stellung der Bibel im Heilsplan Gottes, aber es zeigt, wo wir geistlich stehen. Ich wundere mich schon sehr über die große Hochachtung, die auch viele evangelikale Christen der wissenschaftlichen, akademischen Theologie und Bibelkritik zollen. Meinen sie wirklich, dass der natürliche Verstand (es gibt auch einen erneuerten, geistlich geprägten Verstand! – siehe Röm 12,2;  Eph 4,23;  Mt 22,37 vgl. 1.Kor 2,11-16) in der Lage ist, die Weisheit und die spirituelle Tiefe und Höhe des biblischen Wortes Gottes zu erfassen und angemessen zu beurteilen? Und glauben sie wirklich, dass der Allmächtige, welcher das gewaltige Universum mit unvorstellbarer Kraft und Weisheit erschaffen hat, nicht in der Lage gewesen sein soll, uns ein unfehlbar inspiriertes „Benutzerhandbuch“ zu übermitteln – eine Bedienungsanweisung, die ja nicht vom Himmel gefallen ist, die aber durch einen unfehlbar von Ihm gesteuerten und inspirierten Editions-Prozess zustande gekommen ist? (Unfehlbar bedeutet hier nicht, dass es in der Bibel keinerlei Unstimmigkeiten gäbe, sondern es meint, dass die Bibel in der heute vorliegenden Verfassung unfehlbar und vollständig Seinem Willen entspricht – mit allen darin enthaltenen und von Ihm gebilligten (ja gewollten!) echten und vermeintlichen Unstimmigkeiten – damit „die Weisheit der Welt zunichte gemacht werde“ (siehe Röm 1,22;  1.Kor 1,19-20;  3,19;  Jes 29,14). Hat der Höchste nicht gerade deshalb, weil die Bibel das wunderbare „Buch Gottes“ und sein ewiges Wort ist, souverän dafür gesorgt, dass die „Heilige Schrift“ zum unübertroffenen, größten Weltbestseller aller Zeiten avanciert ist?!

 

Ich möchte hier nur kurz auf das umfangreiche, komplexe Thema eingehen, dass es die Bibel als solche gar nicht gibt, sondern eine Fülle verschiedener Fassungen und Textvarianten, die irgendwo im göttlich gelenkten Editions-Prozess verortet sind, die deshalb aber nicht weniger als inspiriertes Wort Gottes anzusehen sind. Die Bibel lässt sich in dieser Hinsicht mit einem wunderschönen Rosenbusch vergleichen, der viele Rosenknospen und –blüten hat, die sich in verschiedenen Stadien des Erblühens befinden. (Die einzelnen Blütenblätter sind dabei die verschiedenen Bücher der Bibel.) Trotz der vielen Blüten (= Grundtexte, Textfassungen, Varianten und Übersetzungen) ist es ein einziger lebendiger, vom Geist Gottes entzündeter „Dornbusch“ (vgl. Exodus 3,1-6.14.15). Die schönsten, reinsten und duftendsten Blüten daran sind meines Erach-tens die Übersetzungen Schlachter 2000 oder Menge 2000 nach dem philologisch redigierten, byzantinischen Mehrheitstext des NTs, und die rev. Elberfelder Übersetzung nach dem Nestle-Aland-Grundtext des NTs. – und in diesen Ausgaben jeweils das AT vorrangig nach dem masoretischen Grundtext.) 

Den oben beschriebenen inspirativ gelenkten Editions-Prozess der Bibel – der auch die Tradierung, Kanonisierung, redaktionelle Bearbeitung und Finalisierung einschließt – bezeichne ich als „Vollinspiration“. Es ist das einzige Konzept, das einem allmächtigen Gott gerecht wird. Es ist undenkbar, dass Er den Menschen inspirierte Botschaften übermittelt und dann alles weitere – Niederschrift, Überlieferung, Kanonisierung etc. - dem Zufall bzw. der Willkür von Menschen überlässt. Wer an einen allmächtigen Gott glaubt – und eine andere Gottesvorstellung ist angesichts der gewaltigen und komplexen Ordnung des Universums und der Natur unvorstellbar –, der muss von der „Vollinspiration“ der Bibel ausgehen.*

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* In der Bibel finden wir verschiedene Formen der Inspiration: Manche biblischen Texte sind „verbal-inspiriert“ – d.h. sie wurden bestimmten Personen (meist Propheten) wortwörtlich von Gott eingegeben oder akustisch zugesprochen; die betreffenden Personen haben den Inhalt dann nach Gottes Anweisung sorgfältig aufgeschrieben (Hebr 1,1.2;  2.Mo 34,27; 5.Mo 31,9.24;  Jos 24,26;  Jes 30,8;  Jer 30,2;  36,2.4.18;  Offb 1,11); andere Texte sind Berichte von zuver-lässigen Augen- und Ohrenzeugen, die unter der Führung des Heiligen Geistes mit geschärftem Erinnerungsvermögen sorgfältig das aufgeschrieben haben, was sie gesehen und gehört haben (Joh 14,26.27;  15,27;  19,35;  21,24;  1.Joh 1,1-4;  Lk 1,1-3;  Apg 1,8;  5,32;  2.Petr 1,20. 21); manchen der Schreiber bzw. Verkündiger war sehr wohl bewusst, dass „der Geist des HERRN durch sie redete“ (z.B. 2.Sam 23,2;  1.Petr 1,11), andere waren sich dessen gar nicht bewusst, dass sie beim Reden bzw. Schreiben „vom Heiligen Geist getrieben wurden“ (2.Petr 1,21 - vgl. Joh 11,49-52); einige wenige Texte hat Gott sogar mit eigener Hand geschrieben! – z.B. die „Zehn Gebote“ (Dekalog) (2.Mo 24,12;  31,18;  5.Mo 5,22).

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Durch die „Vollinspiration“ der Bibel laufen die meisten Argumente der Bibelkritik (historisch-kritische Methode) – insbesondere die der Text- und Stilkritik – ins Leere. Denn für die „Vollinspiration“ spielen (angebliche oder tatsächliche) unterschiedliche stilistische Schichten und Unterschiede innerhalb einzelner Bücher der Bibel keinerlei Rolle. Selbst ein Nachweis, dass beispielsweise das Buch Jesaja nicht von einem einzigen Autor stammt, sondern von mehreren Autoren (etwa von Proto-Jesaja und Deutero-Jesaja), ändert nichts an der gesamten Inspiration dieser hervorragenden prophetischen Schrift. Der Allmächtige - als eigentlicher Autor der Bibel - hat die souveräne Freiheit, für die Verfassung biblischer Texte mehrere Autoren und Redaktoren zu gebrauchen. Das kann auch eine spätere, inspirierte redaktionelle Bearbeitung, Vervollständigung und Finalisierung durch andere Personen umfassen.

Auch andere Argumente der akademisch-wissenschaftlichen Bibelkritik haben sich als unhaltbar erwiesen – z.B. der bibelkritische Mythos, die biblischen Texte seien höchst ungenau und über längere Zeit (mehrere Jahrhunderte!) mündlich überliefert und dabei willkürlich verändert und „ausgeschmückt“ worden. Seit der Entstehung der akademi-schen Bibelkritik im 19. Jahrhundert wurden eine ganze Reihe neuer Textzeugen und Codices entdeckt (z.B. Codex Sinaiticus, Jesaja-Rolle in Qumran, Chester-Beatty-Papyri, John-Rylands-Papyrus, 7Q5 u.a.). Sie bezeugen, dass die biblischen Texte mit akribischer Sorgfalt schriftlich tradiert wurden. Wir können heute mit Sicherheit davon ausgehen, dass die kanonischen Evangelien, die Apostelgeschichte, die Epistel des Neuen Testaments und die Johannes-Apokalypse ausnahmslos im ersten Jahrhundert - wenige Jahrzehnte nach den Ereignissen - von Zeugen der ersten Generation verfasst und verbreitet wurden.

[Ein systematischer Nachweis über die frühe Aufzeichnung und Verbreitung der neutestamentlichen Schriften fällt deshalb schwer, weil nur wenige Handschriften aus den ersten drei Jahr-hunderten zur Verfügung stehen. Das liegt vor allem daran, dass die wiederholten Christenverfolgungen – besonders jene große Verfolgungswelle am Ende des 3. Jh. unter dem römischen Kaiser Diokletian – mit umfangreichen Vernichtungsaktionen des christlichen Schrifttums einherging. Abgesehen davon wurde das unvergängliche Gotteswort auf vergängliche Materialien geschrieben (Papyrus und Pergament), das nur unter günstigsten Umständen dem zeitlichen Verfall entgehen konnte.]

Natürlich gibt es aus dem 2. u. 3. Jh. auch eine Menge pseudepigraphischer Machwerke und gnostischer Fälschungen. Doch wo es Fälschungen gibt, da gibt es immer auch das Echte. Deshalb war – neben der spirituellen Qualität der Schriften – eines der entscheidenden Echtheitskriterien der Nachweis der Verfasserschaft von einem Apostel oder einem den Aposteln nahe stehenden und anerkannten Verfasser (z.B. Markus, Lukas, Paulus). Außerdem mussten diese Dokumente in der frühkatholischen Christenheit und bei den geistlichen Führern (den Bischöfen) weitgehend anerkannt sein. Als die Kanonisierung des Neuen Testaments zum Abschluss kam, gab es die römisch-katholische Macht- und Papstkirche noch gar nicht; die kam erst nach der „Konstantinischen Wende“ im 4./5. Jh. ins Spiel. Fast sämtliche Bücher des Neuen Testaments waren bereits im zweiten Jahrhundert allgemein anerkannt (siehe Polycarp, Irenäus, Tertullian, Origenes, Athanasius, Canon Barococcio, Canon Muratori) und auch weit verbreitet. Der Mythos, dass der ntl. Kanon eine willkürliche Zusammenstellung aus manipulierten, verfälschten Evangelien und pseudepigraphischen Briefen und das Ergebnis einer selektiven Auswahl durch die Vertreter der römisch-katholischen Kirche sei, beruht auf einem Mangel an Kenntnis der frühen Kirchengeschichte. Dieser Mythos ist der Stoff aus dem die pseudowissenschaftlichen und verschwöhrungstheoretischen Thriller von Autoren wie Michael Baigent, Richard Leight, Henry Lincoln, Dan Brown, Raymond Khoury und Tom Egeland fabriziert sind. Doch es ist genau das, was viele Leser hören wollen, weil sie sich an den biblischen Aussagen und Ansprüchen Gottes stoßen (1.Petr 2,8). Mit solchen Thrillern kann man sich heute eine goldene Nase verdienen. Wie tragisch, wenn auch Gläubige auf diesen Schwindel hereinfallen.

Die oben angedeuteten Zusammenhänge werden von mir in der aufwendig illustrierten Präsentation Die Bibel - das sichere Fundament behandelt. In diesem Buch präsentiere ich eine lehrmäßige Essenz zur vorliegenden Bibel-Thematik. In den 31 Seiten des Dokuments bringe ich Aussagen und Fakten in höchst komprimierter Dichte. Dadurch ist es weitaus lesbarer als andere weitschweifige Bücher mit mehreren hundert Seiten.

Seit einem halben Jahrhundert (seit meiner Jugend) lese und studiere ich die Bibel (in unterschiedlichen Übersetzungen) und habe in dieser Zeit auch einige tausend Bücher gelesen – die meisten davon über Religion(en), Christentum, Glaube, biblische Lehre, akademisch-konfessionelle Theologie, Dogmatik, Kirchengeschichte, Sektenkunde etc.. (Gar nicht zu reden von den Tausenden an Artikeln, Predigten und Vorträgen.) Dabei habe ich immer auch andere, gegenläufige Auffassungen einbezogen. Meine investigativen Recherchen waren also gründlich. Alle Informationen habe ich sorgfältig durchdacht. Außerdem habe ich 1989-91 eine überkonfessionelle Bibelschule besucht, die den Ruf hat, in besonderer Weise auf die Führung des Heiligen Geistes zu achten. Wir hatten dort hervorragende Mentoren und Lehrer, die neben der sorgfältigen Lehre auch großen Wert auf die authentische Glaubens- und Lebenspraxis legten. Auf diesem Hintergrund wage ich zu sagen, dass meine lehrmäßigen Positionen und Beurteilungen wohldurchdacht und fundiert sind. Ich bin überzeugt, dass sie insgesamt nicht allein wahrheitsgemäß sind, sonder auch schriftgemäß (d.h. nicht nur oberflächlich buchstabengemäß). Ich suche in meinem Ringen um rechtes Verständnis stets nach der Führung des Heiligen Geistes als zuverlässigen Lehrer und „Geist der Wahrheit“ (Joh 14,17;  15,26;  16,13). „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten.“ (1.Kor 2,12.13).

Neben dem Herrn Jesus Christus und dem Erlösungswerk gehört das biblische Wort Gottes zu den größten Geschenken, die Gott uns gegeben hat. Was für ein Vorrecht, eine Bibel besitzen und lesen zu dürfen!

 

Durch das lebendige, geistliche „Buch des Herrn“ empfangen wir geistgewirkte Offenbarungserkenntnis über den „Herrn des Buches“ – und auch seinen lebendigen, persönlichen Zuspruch. Die Aussage von dem US-amerikanischen Starpropheten Rick Joyner „Es ist besser den Herrn des Buches zu kennen als das Buch des Herrn“ erweist sich bei näherer Betrachtung als gefährliche Irreführung. Denn ohne das Korrektiv des von Gott autorisierten, geschriebenen Wortes ist jeder Verirrung und religiösen Wunschvorstellung Tür und Tor geöffnet. - Das können wir beispielsweise bei der Sekte „Universelles Leben e.V.“ beobachten, die nur auf tendenziösen Offenbarungen des unmittelbaren „lebendigen Wortes“ hören wollen. Das hat diese Sekte zu einem „anderen Evangelium“ und zu einem „anderen Jesus“ geführte (2.Kor 11,4) – nämlich zu einem esoterischen Allversöhnungs-Christus, der sich mit allen Menschen und am Ende sogar noch mit Satan versöhnt. - „Trügerisch ist das Herz [des Menschen], mehr als alles“ (Jer 17,9). Die Betreffenden beginnen die Stimme ihres eigenen Herzens als Stimme Gottes anzusehen. Daher brauchen wir dringend das schriftliche Wort Gottes als Korrektiv und als Fundament unserer Glaubensüberzeugung.

Der Widersacher will dieses Fundament durch die Bibelkritik zerstören und dadurch den Gläubigen den Teppich unter den Glaubensfüßen wegziehen. Ich sehe die akademische Bibelkritik als das an, was sie ist: als Versuch, die wunderbare Selbstoffenbarung Gottes zu zerstören und durch ein gefälliges, populärtheologisches Gottesbild zu ersetzen. Das aber ist ein Gottesbild, das nach den Wunschvorstellungen und Ansprüchen der Men-schen gestaltet ist. Außerdem wird dadurch der zeitlos gültige Maßstab der Gebote und Verbote Gottes demoliert und durch eine tolerante, liberale Werteordnung ersetzt, die dem zügellosen Drängen des „Fleisches“ nachgibt (Mt 15,19.20;  Röm 8,12.13;  Gal 5,16-25;  Eph 2,3;  4,22;  1.Petr 2,11). Das ist auch der eigentliche Grund für die weit verbreitete Paulus-Allergie. Dieser Apostel lehrte als auserwähltes Werkzeug des Herrn nicht nur die „enge Pforte“ der Rettung durch Gnade und Glauben, sondern er lehrte darüber hinaus auch den „schmalen Weg“ der wahren Jüngerschaft und Heiligung, ohne den niemand das ewige Ziel erreichen wird (Mt 7,13.14;  Hebr 12,14;  1.Kor 6,9-11).

Natürlich gibt es im weltweiten Evangelikalismus (dem immerhin 60 Millionen Christen angehören) auch einen oberflächlichen, naiven und ungeistlichen Umgang mit der Bibel, und ebenso einen sträflichen Missbrauch des Wortes Gottes. Wenn man/frau die Heilige Schrift primär nur als „Gesetzbuch“ verwendet, dann bewegen sich die Betreffenden auf den untersten Ebenen des Bibelgebrauchs. Aber ein Missbrauch hebt nicht den rechten Gebrauch auf: Abusus non tolit usum.

Zu den höheren und höchsten Ebenen des Bibelgebrauchs gehört es, das „Buch des Herrn“ als Offenbarungsquelle zur Gewinnung einer ganzheitlichen Gotteserkenntnis zu gebrauchen. Dazu ist die Hilfe des Heiligen Geistes erforderlich, welcher wiedergeborene, erweckte Gläubige „in alle Wahrheit leitet“ und sie über Gott (und seine Ansprüche) belehrt. Die Heilige Schrift in ihrer Gesamtheit führt außerdem in die Wahrheit echter Heilserkenntnis und darüber, was Erlösung im tieferen Sinne genau bedeutet (nicht nur Sündenvergebung!). Und sie vermittelt uns klare Einsicht darüber, wer Gläubige in ihrer Position „in Christus“ sind. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes bleibt man im toten und tötenden Buchstabendienst stecken (vgl. 2.Kor 3,5.6). Und darin besteht auch der fruchtlose „Dienst“ der Bibelkritiker: mit ihren vermeintlich „wissenschaftlichen“ Methoden sezieren sie einen toten, buchstäblichen Bibel-Leichnam. Das lebendige, kraftvolle Wort Gottes (Joh 6,63b.64;  Apg 7,38;  Hebr 4,12) können sie aufgrund ihrer überkritisch-skeptischen Haltung nicht erfassen. Doch so etwas gab es schon immer. Jesus rügte massiv die Schriftgelehrten („Theologen“) seiner Zeit: „Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt noch die Kraft Gottes“ (Mt 22,29).

Übrigens gibt es unter den weltweit 600 Millionen Evangelikalen nicht nur – wie oft unterstellt – naive Biblizisten, sondern auch hochkarätige Bibellehrer und Theologen (sogar ausgestattet mit akademischen Graden!). Diese sind in der Lage, klare bibelorientierte Lehre („Theologie“) auf höchstem Niveau aufzuwarten. Dazu gehören beispielsweise die (von mir hochgeschätzten) Theologen Prof. Dr. Erich Mauerhofer (emeritiert) und Prof. Dr. Jacob Thiessen (seit 2004 Rektor der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule [STH] Basel  und Dozent für Neues Testament). Das sind Theologen, die ihre Bibel wirklich kennen. Manch andere akademische, bibelkritische Theologen haben zwar viele „wissenschaftliche“ Abhandlungen über die Bibel gelesen (und geschrieben), aber oftmals kein einziges Mal die ganze Bibel in fortlaufender, zusammenhängender Weise durchstudiert. Es gibt Zeugnisse von Theologen, die eingestanden haben: Während des Theologiestudiums fand ich gar keine Zeit, die Bibel mal komplett durchzulesen; wir mussten ja endlos Fachbücher über die Bibel lesen und über Dogmatik über Kirchen- und Dogmengeschichte, über Homiletik und Kirchenrecht, über Seelsorge und dazu noch Griechisch und Hebräisch pauken.

 

Wenn man erst einmal damit beginnt, einzelne Elemente des biblischen Wortes Gottes in bibelkritischer Weise zu demontieren, dann führt das zu einer Destabilisierung der ganzen Schrift. Dann verlieren auch alle angenehmen Segensverheißungen und schönen Bibelzitate ihre Festigkeit und Kraft. Wer will dann mit Gewissheit sagen, dass diese nicht ebenfalls ein Produkt trügerischer menschlicher Wunschvorstellung sind!? Schließlich verliert die gesamte Bibel ihre Tragfähigkeit und der Glauben hängt kraftlos in der Luft – wie eine Seifenblase. Vergleichen wir das einmal mit den gotischen Kathedralen. Sie sind ein Wunderwerk der Architektur, der Statik und der Baukunst. Wenn man nun beginnt, einzelne Steinquader oder Stützpfeiler zu demontieren, dann verliert das ganze Bauwerk seine statische Festigkeit und irgendwann stürzt alles ein. 

Auch die Bibel ist ein Gebilde, in dem sich die Worte gegenseitig bestätigen und stützen. Wer davon etwas demontiert, für den beginnt sich die Bibel insgesamt aufzulösen – und er verliert den festen Grund unter seinen Glaubensfüßen. Was übrig bleibt, das ist eine Ruine zum Gespött der Menschen. Ein kluger Mensch, der sein Glaubenshaus erfolg-reich aufbauen möchte, der berechnet nicht nur die Kosten, sondern der prüft auch das Baumaterial, mit dem er baut, und das Fundament, auf das er aufbaut. „Damit nicht etwa, wenn er den Grund [bzw. ein falsches Fundament] gelegt hat und nicht vollenden kann [oder alles wieder einstürzt], alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden.“ (Lk 14,29.30)

Die Demontage von Bausteinen und Stützpfeilern gefährdet die Statik eines Bauwerks und führt schließlich zu dessen Einsturz. Das betrifft auch die Bibel. Sie entfaltet ihre wirksame Kraft nur dann, wenn sie in ihrer Gesamtheit als inspiriertes Wort Gottes demütig angenommen, geglaubt und befolgt wird. „Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und jedes [darin enthaltene] Urteil deiner Gerechtigkeit währt ewig.“ (Ps 119,160) Es ist ein schweres Vergehen, der Heiligen Schrift etwas hinzuzufügen oder etwas von ihr wegzunehmen und für ungültig zu erklären (Offb 22,18.19;  Spr 30,5.6;  5.Mo 4,2;  13,1;  2.Joh 9;  1.Kor 4,6;  Mt 5,18.19). Jesus erklärte: „die Schrift kann nicht aufgelöst werden“ (Joh 10,35). Wer es trotzdem tut, dem droht der völlige Heilsverlust (Offb 22,18.19).

 

Das inspirierte Wort Gottes in der Bibel ist zeitlos gültig und unvergänglich (1.Petr 1,25;  Jes 40,6-8;  Mk 13,31). Echte(!) wissenschaftliche Forschungs-Erkenntnis steht nicht im Widerspruch zu den Aussagen der Bibel und zur biblischen Offenbarungs-Erkenntnis. Das habe ich durch einen Indizien-Beweis aufgezeigt – siehe dazu meine Präsentation Bibel und Wissenschaft. Es besteht also keine Veranlassung, der Heiligen Schrift zu misstrauen und sie (teilweise oder ganz) zu verwerfen. Sie ist die sichere Glaubens- und Erkenntnisgrundlage, die uns Gott gegeben hat. Allerdings müssen wir lernen, die biblischen Texte durch die Anwendung der elementaren Auslegungsprinzipien recht zu interpretieren. 

Bei rechter Interpretation (Exegese) wird auch die progressiv fortschreitende Selbstoffenbarung Gottes berücksichtigt, die durch die verschiedenen Heilsbündnisse und Epochen (Dispensationen) der Heilsgeschichte Gottes markiert ist.

Bei schriftgemäßer Exegese lösen sich viele vermeintliche Widersprüche auf. Das betrifft auch den häufig angeführten Widerspruch zwischen den Synoptikern und dem Johannes-Evangelium. In den drei Synoptikern ist tatsächlich eine deutliche Werkpriorität zu finden, während im Johannes-Evangelium und bei Paulus eine klare Glaubenspriorität vorherrscht. Das scheint sich zu widersprechen. Doch gemäß der biblischen Gesamtlehre ist das kein echter Widerspruch, sondern eine komplementäre Ergänzung, die zu jener Synthese führt, die wir bei Jakobus finden (Jak 2,17-26 – vgl. Eph 2,8-10). Diese Ergänzung finden wir auch bei Jesus. Er erklärte, dass wir nur durch die „enge Pforte“ und auf dem „schmalen Weg“ zum ewigen Leben gelangen (Mt 7,13,14). Ja was jetzt?! – Pforte oder Weg!? – Beides: die enge Pforte des Glaubens (allein durch Gnade ohne eigene Werke) – sowie der daran anschließende schmale Weg der Jüngerschaft als Weg des geistlichen Wachstums und der Heiligung. Auf diesem Weg der Jesus-Nachfolge lernen wir Gott und seinen Geboten aus Liebe zu gehorchen und die „Frucht des Geists“ hervorzubringen (Hebr 12,14;  Joh 14,15.21;  1.Joh 5,3;  Röm 6,1-14;  Gal 5,16-25). Das zeigt einmal mehr, dass wir die Gesamtheit des Wortes Gottes brauchen, damit wir zum rechten Verständnis gelangen.

Das gilt nicht nur für die vier Evangelien, sondern ganz besonders auch für die Paulus-Briefe. Sie gehören zu den ältesten erhaltenen Schriften des Neuen Testaments. Eine paleographische Neudatierung des Papyrus P46, der ältesten Abschrift-Sammlung der Paulus-Briefe (die 86 Seiten umfasst), weist auf die Zeit 75-100 n.Chr.. Der Apostel schrieb seine Briefe zwischen ca. 52-65 n. Chr.. Die Abschrift der Paulus-Briefe P46 reicht somit bis ca. 10 Jahre(!) an seine Originalbriefe heran.

 

Gerade der vielfach verunglimpfte Apostel Paulus war es, den Gott als „Sklave Christi“ in besonderer Weise gebrauchte, um das verborgene Geheimnis der Christus-Offenbarung auf den Leuchter zu stellen. Er war der Meistertheologe Gottes, der die authentische Lehre des Evangeliums formulierte, um sie den Nationen zu verkündigen. Der auferstandene Herr bezeugt über diesen Mann: „Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als auch vor Könige und Söhne Israels.“ (Apg 9,15) Paulus empfing das authentische Evangelium durch Offenbarung und Inspiration des Heiligen Geistes. In apostolischer Autorität und Vollmacht konnte Paulus erklären: „[Das] Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes, ist mir anvertraut worden.“ (1.Tim 1,11.12) „… wir [Apostel] sind von Gott tauglich befunden worden, mit dem Evangelium betraut zu werden; so reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft.“ (1.Thess 2,4) „Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi.“ (Gal 1,11.12) „Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede [o. mit welchem Wortlaut] ich es euch verkündigt habe, es sei denn, dass ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid. Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den [alttestamentlichen] Schriften; und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften;“ (1.Kor 15,1-4).

Das Evangelium des Paulus (wie es bspw. im Römer-Brief Kap. 1-8 formuliert ist) ist tief in den alttestamentlichen Schriften und Verheißungen verwurzelt. Als Schriftgelehrter und ehemaliger Pharisäer kannte Paulus das Alte Testament (= Tanach) gut. Im Licht der Christus-Offenbarung eröffnete sich ihm eine neue Dimension des geistlichen Verständnisses der alttestamentlichen Texte und Messias-Verheißungen. – Ein Theologe hat einmal festgestellt: „Wenn wir das Neue Testament verlieren würden, dann ließen sich seine wesentlichsten Aussagen vollständig aus den alttestamentlichen Texten konstruieren.“ – Damit hat er Recht. – Beispielsweise ist die häufig kritisierte paulinische Grundaussage über die kategorische Sündhaftigkeit aller Menschen„alle haben gesündigt“ (Röm 3,23 u. die Verse 9-18) – keine Erfindung des Paulus (etwa in einer vermeintlichen Fehldeutung von Psalmenworten in 14,2.3 u. 143,2). Paulus greift in seinem inspirierten Evangelium lediglich eine Grundwahrheit auf, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel zieht – siehe z.B. 1.Mo 6,5.6.11.12;  8,21;  1.Kön 8,46;  Pred 7,20;  8,11;  9,3;  Ps 51,7;  Hi 14,4).

Wer in den Himmel will, der kommt weder an Jesus Christus noch an Paulus und seinem verkündigten bzw. geschriebenen Evangelium vorbei! (Joh 10,9;  14,6;  1.Tim 2,5.6;  1.Kor 15,1-4) Wer am Wortlaut seines Evangeliums etwas ändert, der landet bei einem „anderen Evangelium“ (Gal 1,6-9;  2.Kor 11,3.4) und ist, soweit er gläubig ist, „vergeblich zum Glauben gekommen“. In dieser Hinsicht befinden sich viele „Gläubige“ mit ihrer rigorosen Paulus-Kritik in Schieflage und auf äußerst gefährlichem Kurs! 

 

Paulus vermittelt uns nicht nur ein geistliches Verständnis über die Bedeutung des stellvertretenden Erlösungsopfers Jesu Christi am Kreuz und über den auferstandenen verherrlichten Herrn. Er offenbart uns darüber hinaus den einzig gültigen Weg der Heilsübermittlung (= Heilstransfer); nämlich dass ein Sünder weder durch eigene Werke noch durch kirchliche Rituale (Sakramente) errettet werden kann, sondern allein durch eine authentische Umkehr/Bekehrung (= „Buße“ – griech. metanoia bzw. epistrepho) und den persönlichen Glauben an das schriftgemäße wahre(!) Evangelium Jesu Christi (Mk 1,14.15;  Apg 3,19;  17,30.31;  26,18;  Eph 1,13;  2,8.9; Phil 3,9;  Röm 3,21-28;  10,8-11.17;  1.Kor 1,17-21).

Die Paulus-Allergie bei Juden, Muslimen und bibelkritischen Theologen ist verständlich. Doch dass dieser Apostel und seine Theologie auch bei evangelikalen, protestantischen Christen zunehmend auf Skepsis, ja Ablehnung stoßen, ist äußerst bedenklich. Das zeigt, dass auch in diesen Kreisen viele der unbequemen Ansagen Paulus’ nicht erwünscht sind. Denn sie widersprechen der toleranten Populär-Theologie. – Von der Kritik ausgenommen ist lediglich die paulinische Gnaden- und Glaubenslehre – dass die Errettung allein aus Gnade ganz ohne eigene Verdienste erlangt wird – und seine antinomistische Liebes-Lehre. - Diese Elemente lassen sich in der liberalen Theologie ja gut unterbringen.

Um den Apostel Paulus in Misskredit zu bringen, wird ihm allerlei angedichtet und untergeschoben: eine vermeintliche Frauen- und Leibfeindlichkeit; die Behauptung, erst Paulus habe Jesus zur Gottheit erhoben*; er sei der Erfinder der Entrückungs-Lehre – und manches mehr. Alle diese Behauptungen sind unzutreffend. [* Anmerkung: Die Tatsache, dass in der Person Jesu Christi der ewige Gott leibhaftig Mensch geworden ist, wird auch von anderen Aposteln klar bezeugt: Joh 1,1-3.14.18;  8,58;  10,38;  14,10.11;  17,5;  1.Joh 5,20;  Hebr 1,2.3.7.8;  Offb 5,13;  7,10 –  vgl. Mi 5,11;  Jes 9,5.]

Zusammen mit der weltweiten Verbreitung des Evangeliums, der Sammlung der Juden im Land Israel und der drastischen Zunahme von Naturkatastrophen und Seuchen gehört die fortschreitende Unfähigkeit, die biblische Wahrheit zu ertrage, zu den markanten Zeichen der Endzeit, in der wir uns heute befinden: „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer (Theologen) aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden.“ (2.Tim 4,3.4)

 

Doch nur die reine, geistliche Speise der biblischen Wahrheit und des schriftgemäßen Evangeliums kann uns retten und befreien (1.Tim 2,3.4;  Joh 8,31.32). Wir müssen uns von der guten, gesunden Lehre ernähren (1.Tim 6,3-5;  Tit 1,9), damit wir das ewige Ziel erreichen: „seid wie neugeborene Kinder, begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch – damit ihr durch sie wachset zur Rettung“ (1.Petr 2,2). „Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise.“ (Hebr 5,12) „Wenn jemand anders lehrt und sich nicht zuwendet den gesunden Worten unseres Herrn Jesus Christus und der [schriftgemäßen] Lehre, die gemäß der Gottseligkeit ist, so ist er aufgeblasen und weiß nichts, sondern ist krank … [und gehört zu den] Menschen, die in der Gesinnung verdorben und der Wahrheit beraubt sind ….“ (1.Tim 6,3-5)

Wohl dem, der sich nicht von der Bibelkritik beirren lässt und sich von der Speise nährt, die uns Gott durch sein inspiriertes biblisches Wort vermittelt. Ohne diese Wegzehrung kann niemand das himmlische Ziel erreichen.

In meinem Buch Die Bibel - das sichere Fundament formuliere ich im 38. Lehrsatz eine komprimierte Beurteilung der Bibelkritik, die sich auch auf  WORTHAUS  anwenden lässt:

[38]  Die akademisch-theologische Bibelkritik („historisch-kritische Methode“)* ist abzulehnen, denn der natürliche Verstand (Vernunft) ist ein unzureichendes Mittel, um  die übernatürliche Offenbarung und die geistliche Dimension des biblischen Wortes Gottes zu erfassen. (1.Kor 2,4; - vgl. 2.Kor 4,20) Die „Bibelkritik“ ist der vermessene Versuch des Menschengeistes (der Vernunft), sich zum Richter über das Wort Gottes zu erheben. Die von Bibelkritikern angewendeten (vermeintlich) „wissenschaftlichen“ Methoden werden in keiner Weise der übernatürlich-spirituellen Qualität des Wortes Gottes gerecht. (Mt 23,13;  18,6;  Jak 3,1;  Offb 22,18.19;  5.Mo 4,2;  Joh 14,24;  1.Tim 6,3.4;  Eph 4,14;  2.Petr 3,15-17;  Joh 12,48;  2.Thess 2,9-12)

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* Die Bibelkritik („historisch-kritische Methode“) wurde seit dem 18. Jh. insbesondere von kirchlich-protestantischen Theologen aufgebracht (Johann Salomo Semler, Ferdinand Christian Baur etc.). Die „historisch-kritische Methode“ ist ein Methodenapparat zur kritischen Untersuchung der biblischen Texte anhand von Textkritik, von Textanalyse sowie von Redaktions-, Literar-, Form- und Traditionskritik.

Seit dem 19. Jh. fand die Bibelkritik eine fortschreitende Aufnahme in die universitäre protestantische Theologie der evangelischen Kirchen. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im 20. Jh. fand sie dann auch Eingang in die römisch-katholische Theologie. (Denn die Theologie dieser Kirche baut mehr auf das Fundament der Tradition, des „unfehlbaren“ Lehramts Roms und auf Konzilsbeschlüsse als auf das biblische Wort Gottes.) In den letzten Jahrzehnten ist die Bibelkritik dann auch in die evangelikalen, freikirchlichen Ausbildungsstätten eingedrungen, weil diese nach der staatlichen Akkreditierung (Anerkennung) strebten, um ihren Absolventen akademische Grade (BA, MA etc.) verleihen zu können. Die staatliche Akkreditierung setzt aber eine lehrmäßige Angleichung an die universitäre Theologie der Volkskirchen voraus, bei der die Bibelkritik heute fester Bestandteil ist. 

Die Bibelkritik geht vom natürlichen Denken (Vernunft) aus, für das alles Übernatürliche (Metaphysische) unfassbar, undenkbar und unglaublich ist – z.B. die Paradiesgeschichte mit dem Sündenfall des Menschen, die Jungfrauenzeugung und -geburt Christi, die Wunderheilungen Jesu, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi etc.. Und tatsächlich ist die akademisch betriebene Bibelkritik eine Frucht der Aufklärung und des Rationalismus (= philosophische Richtung, die das rationale Denken als einzig gültige Erkenntnisgrundlage anerkennt). Die Bibelkritik ist ihrem Wesen nach oftmals wenig mehr als ein methodischer Atheismus gepaart mit einem kategorischen Skeptizismus, der die übernatürliche Dimension der biblischen Beschreibungen und Offenbarungen (Prophetie) von vornherein kategorisch ausschließt - und sich bei diesem Unterfangen in fragwürdiger Weise auf eine vermeintlich „wissenschaftliche“ Methodik stützt. Tatsächlich aber ist die Wissenschaftlichkeit der von der Bibelkritik angewandten Methoden selbst unter Theologen sehr umstritten.

Außerdem geht die Bibelkritik bei ihren kritischen Untersuchungen z. T. von veralteten Prämissen aus, die heute aufgrund historischer, archäologischer und philologischer Fakten längst überholt sind (siehe dazu die Punkte 1.22 u. 1.23 [im oben angegebenen Buch]). So wird beispielsweise die göttliche Inspiration der biblischen Texte angezweifelt, weil diese angeblich über Jahrhunderte hinweg mündlich überliefert und dabei verändert wurden. Dieser Mythos ist aufgrund von biblischen Text- und Fragmentfunden heute nicht mehr haltbar. - Oder die göttliche Inspiration wird allein schon deshalb angezweifelt, weil die Texte unterschiedliche stilistische Schichten aufweisen und daher nicht von einem einzigen authentischen Verfasser stammen könnten. Dem ist entgegen zu halten, dass Gott als wahrer Autor der Bibel und als allmächtiger Herr über alle Umstände nicht dazu verpflichtet ist, die einzelnen biblischen Bücher von einem einzigen Verfasser und/oder in einem einwandfrei homogenen Schreibstil verfassen zu lassen. Zudem weiß jeder Autor und Briefeschreiber, dass sein eigener Schreibstil aufgrund seiner Stimmungslagen und der behandelten Thematik sowie in Abhängigkeit von den Ansprechpartnern bzw. der Zielgruppe zum Teil erheblichen Schwankungen unterworfen ist.

Für die geistlich-seelsorgerliche Interpretation und Auslegung (Exegese) der biblischen Texte sind die allermeisten (vermeintlichen) „Erkenntnisse“ der historisch-kritischen Methode nicht nur unbrauchbar, sondern geradezu hinderlich. Um den Unterschied zwischen einer Rede Jesu in Klartext oder in allegorisch-gleichnishafter Darstellung festzustellen brauchen wir keine historisch-kritische Textanalyse. Dazu genügt eine aufmerksame Textlektüre. Überhaupt ist es für das geistliche Glaubensleben wichtiger, intensiv in der Bibel zu lesen als Bücher über die Bibel zu studieren (Mt 4,4;  Kol 3,16;  2.Tim 3,16.17;  1.Petr 2,2 - vgl. Hebr 5,11-14;  2.Tim 4,2-4;  Jos 1,8.9). 

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Die theologisch inhaltliche „Bibelkritik“ darf allerdings nicht verwechselt werden mit der philologisch sprachlichen „Textkritik“. Letztere befasst sich damit, aus der Fülle alter Handschriften** (Codices) bereinigte Grundtexte zu erarbeiten. (Jer 1,12;  32,17.27;  Sach 4,6;  Röm 11,33;  Jes 34,16;  55,9;  Ps 92,6;  Pred 3,11;  8,17) - Hier muss vor allem der Theologe Erasmus von Rotterdam erwähnt werden, der als erster Textkritiker gilt. Im 16. Jh. fügte er durch philologisch-textkritische Arbeit aus sieben neutestamentlichen Handschriften des byzantinischen Texttypus (= Mehrheitstext) einen griechischen Grundtext des Neuen Testaments zusammen (das Novum Instrumentum omne im Jahr 1516). Dessen verbesserte Ausgabe wurde später unter der Bezeichnung Textus receptus (lat.: der überlieferte Text) bekannt. Der Reformator Martin Luther übersetzte das Neue Testament aus dem griechischen Grundtext des Erasmus in die deutsche Sprache (das sog. Septembertestament von 1521). Es gab zwar bereits vorher mehrere deutsche Bibelübersetzungen (z.B. die Mentelin-Bibel von 1466), doch diese waren nicht aus dem Urtext, sondern aus der lateinischen Vulgata-Übersetzugen des Hieronymus übersetzt worden. – Die heutigen Übersetzungen des Neuen Testaments werden vor allem auf der Grundlage des Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland erstellt. In diesem Grundtext wird bevorzugt die Leseweise der neueren Textfunde (z.B. Codex sinaiticus) des alexandrinischen Typus berücksichtigt.

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** Es gibt zwar von keinem einzigen biblischen Text eine originale Urschrift (Autograph), doch es gibt eine wahre Fülle von alten handschriftlichen Kopien: ca. 5 400 Vollbibeln als Papyrus- bzw. Pergament-Codices und über 18 000 Abschriften von Übersetzungen (dazu noch etwa 86 000 neutestamentliche Zitate in den Schriften der frühen Kirchenväter). Daraus können textkritische Philologen hochwertige Bibel-Grundtexte erarbeiten, die von Abschreibfehlern gereinigt sind.

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Abschließende Beurteilung: Die Beiträge von WORTHAUS haben eine destruktive Wirksamkeit. Sie üben einen massiv heilsgefährdenden Einfluss auf den Glauben aus. Es ist nicht ratsam, sich damit zu befassen.

Weitere kritische Stimmen zu „WORTHAUS“:

© 2021 Joachim Hübel

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WORTHAUS-Beurteilung-Kritik - J.Hübel .p
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