RICHTLINIEN FÜR DIE SEELSORGE

Erarbeitet von Cxxx Ixxx*, Kxxx Schxxx* und  Joachim Hübel

Juni 1993

Herausgegeben und mit einem Vorwort und Begleittexten versehen

von Joachim Hübel

2000

 

Vorwort/Begleittexte ergänzt u. überarbeitet im Nov. 2011 und Dez. 2022

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* aus datenschutzrechtlichen Gründen wird die Identität der beiden Personen ausgeblendet  – siehe zur Verfasserschaft und Ausarbeitung der Seelsorge-Richtlinien die Einleitung auf den Seiten 3-5.

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Inhaltsverzeichnis:

(Die Seitenangaben gelten für das Download-Dokument)

 

Richtlinien für die Seelsorge

Vorwort zu den Seelsorge-Richtlinien  (S. 3)

Richtlinien für die Seelsorge  (S. 6)

        EINLEITUNG (S. 6)

I.     DEFINITION  (S. 6)

II.    ZUGRUNDELIEGENDES MENSCHENBILD  (S. 7)

III.   GRUNDLAGE UND VORAUSSETZUNG: EINSSEIN MIT CHRISTUS  (S. 7)

IV.   DIE MITTEL  (S. 7)

V.    VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT  (S. 8)

VI.   VORRANG DER GNADE  (S. 9)

VII.  ORT UND TRÄGER DER SEELSORGE  (S. 9)

VIII. DÄMONEN UND GEISTER  (S. 10)

IX.    PRÄGUNG DES GEWISSENS  (S. 10)

X.     DER BEGRIFF DER ERKENNTNIS  (S. 11)

          SCHLUSS  (S. 11)

Begleittexte:

Zusammenfassung der schriftgemäßen Erlösungslehre  (S. 13)

Zusammenfassung der lehrmäßigen Grundlage der Befreiungs-Seelsorge und der „Inneren Heilung“  (S. 15)

Eine ernste Warnung zur so genannten Befreiungs-Seelsorge und „Inneren Heilung“  (S. 16)

Graphik-Text-Tafeln – Seelsorge gemäß dem biblischen Wort Gottes  (S. 20)       

Persönlichkeits-Profil und Copyright  (S. 23)                                                                 


Vorwort zu den „Richtlinien für die Seelsorge“

Die Seelsorge-Richtlinien wurden 1993 von einem Team freikirchlicher Mitarbeiter erarbeitet, die sich in ihrer unterschiedlichen seelsorgerlichen Perspektive und konfessionell-theologischen Ausrichtung gegenseitig fruchtbar ergänzten. Die Zusammenarbeit war spürbar vom Beistand des Heiligen Geistes gesegnet.

Der Geist Gottes erweist sich ja für alle, die ein „hörendes Ohr“ haben (Ps 78,1;  Offb 2 Verse 7.11.17.29), als „Geist der Wahrheit“, der „in alle (erlösende und befreiende) Wahrheit leitet“ (Joh 16,13.14;  1.Kor 2,10-13). Und das absolute Zentrum dieser wirkungskräftigen Wahrheit ist die Person des Heiland-Erlösers JESUS CHRISTUS, sein wunderbares Erlösungswerk am Kreuz, sein stellvertretender Opfertod als Lamm Gottes, das die Sünde der Welt getragen (und beseitigt) hat, seine Auferstehung, seine himmlische Inthronisierung zur Rechten Gott-Vaters als „Herr aller Herren“ und als Löwe aus dem Stamm Juda, der überwunden hat“, der den Tod besiegt hat und der die Werke des Teufels zerstört hat, und dem nunmehr alle Vollmacht und Herrschafts-Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden“.

 

[Basis-Bibelstellen, auf die hier Bezug genommen wird: Offb 2,7.11.17.29;  3,6.13.22;  Joh 8,31.32;  16,13;  1.Kor 3,11;  Eph 2,20;  Kol 1,26;  2.Kor 2,19;  5,21;  1.Kor 1,23.24;  Eph 1,7;  Röm 8,34;   Hebr 10,12;  12,2;  1.Petr 3,22;  Phil 2,5-12;  1.Kor 15,22-28;  Offb 1,5.6;  1.Tim 6,15;  Offb 19,16;  Joh 1,29.36;  Offb 5,5.6;  2.Tim 1,10;  Hebr 2,14;  1.Joh 3,8;  Mt 28,18;  Eph 1,20.21]

Bei der Erarbeitung der Seelsorge-Richtlinien im Frühjahr 1993 strahlte diese heilsame, erlösende Wahrheit in ganz neuer, kraftvoller Weise hervor. Dadurch wurden wir Mitarbeiter erklärtermaßen von der Problemorientierung (von der Seelsorgepraktiken und –lehren oftmals bestimmt werden) weggeführt und unwiderstehlich zum christologischen und (er)lösungs-orientierten Ansatz der Richtlinien hingeführt. Denn bei diesen soll es ja nicht um eine vage „christliche“ Seelsorge gehen, sondern ganz konkret um eine biblisch-neutestamentliche Seelsorge-Praxis.

 

Die Zusammenarbeit des Teams war getragen von der grundlegenden Einsicht, dass für geistlich wiedergeborene Christen primär nicht subjektive seelsorgerliche Erfahrungswerte bestimmend sind, sondern die Grundsätze des „Benutzerhandbuches Gottes“, nämlich der Bibel. Die schriftlich fixierte biblische Lehre der Apostel (Apg 2,42) muss Grundlage für eine neutestamentlich orientierte Seelsorge-Praxis sein und bleiben. Allein dadurch werden die wunderbaren und heilsamen Kräfte entbunden, die vom Erlösungswerk Jesu Christi ausgehen.

Da die Konzipierung der Seelsorge-Richtlinien von Anfang an unter dem Gesichtspunkt der Uneigennützigkeit stand und mit der Absicht erfolgte, diesen Basistext der breiten Öffentlichkeit zum nutzvollen Gebrauch zugänglich zu machen, verzichte ich hier auf die Nennung der beiden anderen Personen des Mitarbeiter-Teams. (Weitere Gründe sind persönlichkeits- und datenschutzrechtliche Gesichtspunkte.)

Bedauerlicherweise wurde später eine öffentliche Kommunizierung der Seelsorge-Richtlinien blockiert. Persönliche Bedenken, kritische Einwände und ungeistliche Interessen verhinderten die weitere Verbreitung der Richtlinien. (Oft folgt einem Segenswerk des Herrn ein Anschlag des Widersachers!) Dadurch wurde der Segen, den die Seelsorge-Richtlinien vielen Hilfsbedürftigen hätte bescheren können, verhindert. Die Seelsorge-Richtlinien verschwanden einfach in der Versenkung und in der Schublade des Pastors! Der kostbare, essentielle Gehalt der Seelsorge-Richtlinien hätte viele gläubige Christen davor bewahren können, in die Hände unkompetenter „vollmächtiger“ Seelsorger zu fallen, die unter dem Deckmantel der Hilfeleistung „seelsorgerischen Missbrauch“ übten (siehe dazu 2.Kor 11,3.4.13-15). Solche Personen nutzen die Hilfsbedürftigkeit anderer aus, um sie in ihre Abhängigkeit zu bringen. Sie missbrauchen Seelsorge, um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu steigern und verborgene Machtallüren auszuleben. Meist geschieht das ganz unbewusst. Doch leider fügen sie den Hilfesuchenden unabsehbaren seelischen und geistlichen Schaden zu. Um genau das zu verhindern, wurden die vorliegenden Seelsorge-Richtlinien ausgearbeitet.

Zu jener Zeit grassierte in der christlichen Szene eine unbiblische Form des „Befreiungsdienstes“ und der „Inneren Heilung“. Da hätten die Seelsorge-Richtlinien einen wertvollen und heilsamen Beitrag leisten können, den Sauerteig falscher Seelsorge aufzudecken und auszufegen. Durch die Veröffentlichung an dieser Stelle im Internet soll das Versäumte jetzt teilweise nachgeholt werden. (Spät ist besser als nie!)

Die Erarbeitung der vorliegenden Richtlinien und Grundsätze wurde durch mein initiatives und beherztes Intervenieren bei einer entgleisten Seelsorgepraxis in einer Gemeinde ins Rollen gebracht (siehe dazu unseren Erfahrungsbericht: GEMEINDE JESU real - Ein authentischer Erfahrungsbericht über Befreiungs-Seelsorge, Pastoren-Willkür und Gemeinde-Mobbing). Daher ist es für mich ein besonderes Vorrecht, jetzt als Herausgeber der Seelsorge-Richtlinien in Erscheinung zu treten.

Durch diesen Maßstab können Seelsorgebedürftige die angebotenen Seelsorgedienste prüfen und beurteilen, ob diese ausgewogen und gesund sind und sich in den neutestamentlichen Rahmen einfügen, oder ob es sich dabei um bedenkliche, spektakuläre Praktiken handelt, wie zum Beispiel falsche Formen des „Befreiungsdienstes“ („Befreiungs-Seelsorge“) und der „Inneren Heilung“.

Bereits schon ein engagiertes Studium der Seelsorge-Richtlinien (mit dem Nachschlagen einzelner, einschlägiger Bibelstellen) entfaltet an sich eine intensive geistlich-seelsorgerliche Wirksamkeit. Das kann sogar dazu führen, dass der Heilige Geist Gottes, der auch ein heilender Geist ist, unmittelbar an den Betreffenden handelt und sich eine weitere Seelsorgebehandlung (durch menschliche Personen) erübrigt. Denn der Heilige Geist ist der große „Parakletos“ (Beistand / Tröster) – der Meister-Seelsorger! Sein wirksamstes Werkzeug und Heilmittel ist das von Ihm selbst inspirierte biblische Wort Gottes. Durch das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes entfaltet dieses seine wunderbare Wirkungskraft.

Das Wort Gottes und die darin enthaltene biblisch-neutestamentliche Wahrheit und Weis-heit Gottes haben befreiende, reinigende, stärkende, belebende, tröstende und heilende Wirkungskraft. Jesus Christus erklärte: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh 8,31.32) Und an anderer Stelle wies er darauf hin: „Der Geist ist es, der lebendig macht … Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben (Joh 6,63).

Und Paulus lehrte: „Denn der Buchstabe (des Gesetzes) tötet, der Geist (im lebendigen, wirksamen Wort Gottes) aber macht lebendig.“ (2.Kor 3,6)  -  „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam (Hebr 4,12). – Denn es ist nicht allein Informations-Träger, sondern auch Kraft-Träger.

Bereits in den Psalmen wird proklamiert: „Er sandte sein Wort und heilte sie“ (Ps 107,20). Die Weisheit Gottes spricht: „Mein Sohn (meine Tochter), auf meine Worte achte, meinen Reden neige dein Ohr zu! Lass sie nicht aus deinen Augen weichen, bewahre sie im Innern deines Herzens! Denn Leben sind sie denen, die sie finden, und Heilung für ihr ganzes Fleisch (= Leib und Seele).“ (Spr 4,20-22)

Der wichtige, zeitlos aktuelle, brisante Gehalt der Seelsorge-Richtlinien kann gläubige Christen – auch Seelsorgern! – helfen, noch mehr in die „Fülle des Heils“ (Ps 37,11;  72,7) hineinzukommen, die Gott durch das Erlösungswerk seines geliebten Sohnes Jesu Christi allen zubereitet hat, die seinem Wort ohne Abstriche folgen (vgl. Joh 1,16;  Kol 1,28;  Eph 1,17-19;  4,13;  Apg 2,42;  2.Tim 3,14-17).

In diesem Sinne wünsche ich dem Leser, der Leserin einen gesegneten, nutzvollen und heilsamen Gebrauch der nachfolgenden Seelsorge-Richtlinien.

 

Bamberg im Dezember 2022  –  Joachim Hübel


RICHTLINIEN FÜR DIE SEELSORGE

Erarbeitet von Cxxx Ixxx*, Kxxx Schxxx*  und Joachim Hübel

für die GEMEINDE Xxxxxx e.V. in Xxxxxx*

 

Juni 1993

EINLEITUNG

Für die Freiheit hat Christus uns befreit.

Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten!“

Galater 5,1

In der Freiheit des Lebens im Heiligen Geist besteht das Besondere des Neuen Bundes gegenüber der Knechtschaft unter dem Buchstaben des Gesetzes im Alten Bund (Röm 7,6). In dieser Richtschnur des Evangeliums (Gal 6,16) liegt die Kraft für jeden Bereich des christlichen Lebens und Dienstes, also auch für die Seelsorge.

Nun sind in der seelsorgerlichen Lehre und Praxis jedoch schwerpunktverlagernde Tendenzen** aufgetaucht, die wir verwerfen müssen, weil sie die lebenswendende Bedeutung und lebensverändernde Kraft der Heilstaten Gottes in Christus praktisch in Frage stellen und somit unwirksam machen, indem sie den Glauben daran - d.h. das alltägliche Rechnen damit (Röm 6,11) - untergraben und sich an psychologische Theorien und Therapiemethoden hängen. Gleichzeitig haben diese Schwerpunktverlagerungen eine starke gesetzliche, gnostische und auch humanistische Tendenz.

Nicht jede Lehre oder Praxis, zu deren Untermauerung Schriftstellen zitiert werden, ist dadurch schon schriftgemäß; allzu oft wird der Zusammenhang des biblischen Textes missachtet, werden beliebige Bedeutungen unterschoben, Randstellen ins Zentrum gerückt, Einzelfälle zu allgemeingültigen Regeln erhoben, alttestamentliche Aussagen nicht im Licht des Neuen Bundes betrachtet.

Als verantwortliche Brüder sehen wir uns daher veranlasst, von der Richtschnur des Evangeliums als der Mitte der Schrift ausgehend die Grundsätze der Seelsorge in den folgenden 10 Artikeln für den Wirkungskreis unserer Gemeinde verbindlich festzulegen. Es ist unser Anliegen, damit eine Seelsorgepraxis zu fördern, die von der Sicht Gottes über das Leben des Christen ausgeht.

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* aus datenschutzrechtlichen Gründen wird die Identität der Personen und der Gemeinde ausgeblendet siehe zur Verfasserschaft und Ausarbeitung die Einleitung auf den Seiten 3-5.

** Es handelt sich hierbei besonders um spezifische Seelsorgeformen, die von John und Paula Sandford (USA), Derek Prince (GB), Christoph u. Uta Häselbarth (D), Dr. Wolfhard Margies (D) und u.a. verbreitet wurden bzw. werden.

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I. DEFINITION

(1) Auf den Menschen bezogen meint Seele in der Schrift das personale, individuelle Leben (1.Mo 2,7;  3.Mo 17,11). Der Begriff Seelsorge, der so in der Schrift nicht vorkommt, bedeutete dann die Versorgung und Förderung dieses Lebens, damit es heranwächst und sich voll ausgestaltet.

Im neutestamentlichen Zusammenhang ist der neue Mensch gemeint, der durch Christus geschaffen wurde (2. Kor 5,17;  Eph 2,15) und der in jedem Christen konkret Gestalt gewinnen muss.

(Alle Hervorhebungen in den Seelsorgerichtlinien wurden vom Herausgeber vorgenommen.)

 

(2) Seelsorge ist die Aufbau- und Verwirklichungshilfe, die jedem einzelnen Christen bei der Ausgestaltung dieses neuen Menschen, der er in Christus schon ist, individuell zuteil wird.

 

(3) Dabei geht es aber nicht um eine Selbstverwirklichung, sondern um die Christusverwirklichung, denn „ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,19.20;  vgl. Mk 8,34-35). In der christlichen Seelsorge geht es darum, dass Christus in uns Gestalt gewinnt (Gal 4,19). (Dadurch werden die Kräfte des Heils für die ganze Person wirksam!)

 

(4) Wir verwerfen eine Seelsorge unter Christen, die praktisch darauf hinausläuft, das Ich, d.h. das Fleisch (siehe Art. II,2), sozusagen wieder zu erwecken, zu rechtfertigen, ihm zu dienen und es zu verwirklichen (vgl. Röm 13,14;  Kol 2,18.23).

 

II. ZUGRUNDELIEGENDES MENSCHENBILD

(1) Der Mensch ist von Anfang an geschöpflicher Natur (1.Mo 1,27) und eine leiblich-geist-seelische Einheit. Geist, Seele und Leib bezeichnen jeweils die ganze Person in einer bestimmten Hinsicht (vgl. Jer 32,41;  Röm 1,9;  2,28-29;  1.Kor 15,44;  1.Thess 5,23), wobei der biblische Sprachgebrauch jedoch nicht einheitlich ist (vgl. z.B.:  Gal 5,17  mit  1.Pe 2,11;  2.Kor 2,13  mit  7,5).

 

(2) Als „Fleisch“ wird der ganze Mensch bezeichnet, der unrettbar der Sünde und dem Tod verfallen ist (Röm 7,5.14.18 8,3;  Gal 5,17.24;  Eph 2,3); als „Geist“ wird der ganze Mensch bezeichnet, der, aus der Wiedergeburt hervorgegangen, von der Herrschaft der Sünde befreit ist und ewiges Leben hat (Joh 3,6;  Röm 8,9.16;  1.Kor 2,15;  15,45;  vgl. aber auch  1.Petr 2,11).

 

(3) Wir verwerfen die fundamentale Irrlehre, der Mensch sei vor seinem Fall ein Geist von derselben Natur wie Gott gewesen, von ihm nur graduell, nicht aber wesenhaft unterschieden, und sei durch den Sündenfall ein „satanisches Wesen“ geworden. (Diese Sicht wird von den Vertreter der Glaubens-Bewegung* gelehrt: E. W. Kenyon, K. E. Hagin, Wolfhard Margies, Hartwig Henkel u.a. – Anm. d. Hrsg.)

 

(4) Wir verwerfen das gnostische Menschenbild, das sich in dem Satz ausdrückt: Der Mensch ist ein Geist, der eine Seele hat und in einem Leib wohnt. (Das ist die Anthropologie der Glaubens-Bewegung.)

 

(5) Wir verwerfen die darauf beruhende Spekulation, die das Entscheidende des Erlösungswerkes Christi von seinem Kreuzestod im Fleisch weg verlagert auf einen mutmaßlichen geistlichen Tod in der Hölle während der Zeit seiner Grabesruhe. (Das sind Inhalte der JDS-Lehre der Glaubens-Bewegung* - Anm. d. Hrsg.).

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* Siehe dazu folgende Bücher: D. R. McConnell: „Ein anderes Evangelium?“ - Eine historische und biblische Analyse der modernen Glaubens-Bewegung (C.M. Fliß Verlag); Richard Krüger: „Erlösung am Kreuz oder im Totenreich?“ - enthalten im Arbeitsmaterial des Bundes-Unterrichts-Werk vom BFP (Bund Freikirchl. Pfingstgem.) - Band 6: „Das Wort der Erlösung“ (Beiträge zur Soteriologie)

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III. GRUNDLAGE UND VORAUSSETZUNG: EINSSEIN MIT CHRISTUS

(1) Grundlage und Voraussetzung der christlichen Seelsorge ist das Einsgewordensein des Menschen mit Jesus Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung durch Glaube (Bekehrung), Taufe und Empfang des Heiligen Geist, wodurch der alte, ungerechte, unverbesserliche, fleischliche Mensch dem Tod und der Vergangenheit (vgl. 2.Kor 5,17!) übergeben und der neue, gerechtfertigte, gestaltungsfähige, geistliche Mensch geboren worden ist (Röm 6,1-14;  Gal 5,23-25;  Kol 3,3.9-10).

 

(2) Die ausgestaltende Kraft dieses neuen Menschen ist allein die Gnade Gottes (Apg 15,11.40;  20,32;  1.Petr 1,2;  2.Petr 1,3;  3,18;  Röm 6,14;  Hebr 12,14  - vgl. Art. VI), durch den Heiligen Geist (1.Kor 3,18;  Gal 5,16;  Röm 8,12-14), in der Freiheit vom Gesetz (Gal 5,1).

 

(3) Wir verwerfen Forderungen, dass geistlich Wiedergeborene(!) durch das systematische Erforschen und Aufarbeiten der Vergangenheit des fleischlichen Menschen Probleme des gegenwärtigen Lebens lösen müssten (siehe Phil 3,13.10;  Lk 9,62), als eine Form der Gesetzlichkeit (vgl. 1.Tim 1,4;  Tit 3,9). Wir sehen darin eine Gefahr, aus der Gnade zufallen und die neuen Tatsachen, die durch das Einswerden mit Christus geschaffen worden sind, zu leugnen und damit unwirksam zu machen (Gal 5,4!  vgl. 1.Petr 1,18f).

IV. DIE MITTEL

(1) Die grundlegenden Mittel der christlichen Seelsorge, durch die der Mensch geistlich wiedergeboren (bzw. gezeugt) wird, sind die Verkündigung des Evangeliums, der Glaube daran (Bekehrung), die Taufe und der Empfang des Heiligen Geistes (Joh 3,3.5.6;  7,38.39;  Röm 10,8-17;  1.Kor 4,15;  1.Petr 1,23.25;  Apg 3,19;  8,12;  Eph 1,13;  Tit 3,4-7  - siehe auch Art. III, 1). In der Seelsorge ist zuerst festzustellen, ob die Hilfesuchenden eindeutig und vollständig wiedergeboren sind, oder ob die Wiedergeburt durch die genannten Mittel erst noch ganz oder teilweise erfolgen muss.

 

(2) Die weiterführenden Mittel sind hauptsächlich:

 

A. seitens dessen, der Seelsorge übt:

- die Fürbitte (Eph 1,15-16ff;  3,14ff;  Phil 1,3-4;  Kol 1,9ff;  4,12-13;  2.Thess 1,11;  Phim 4);

- das ermutigende, ermahnende und tröstende Wort (Paraklese), mit den neuen Tatsachen, die durch die grundlegenden Mittel geschaffen worden sind (siehe Art. lll, 1-2), ernsthaft zu rechnen (Röm 6,11) und sich selbst von daher zu verstehen (2.Kor 13,5);

 

B. seitens derer, die Seelsorge empfangen:

- der Glaube gemäß der Paraklese;

- das demgemäße Wandeln im Geist (Röm 8,4-14;  Gal 5,16ff;  6,8), d.h. das konkrete Ablegen der Gesinnungen, Haltungen und Taten des vergangenen, fleischlichen Menschen und das Anziehen der Gesinnungen, Haltungen und Taten des von der Zukunft bestimmten, geistlichen Menschen (Röm 8,5-7;  12,2;  13,12-14;  Eph 6,11ff;  Kol 3,8.12), der wir jetzt schon sind (Kol 3,9-10);

- das Bekennen der Sünden vor Gott (Ps 32,5;  Lk 15,18.21;  18,13) - vor Menschen nur insoweit, als es in Freiheit geschieht (1.Kor 7,23) und der Befreiung oder Versöhnung dient (Mt 5,24;  Joh 20,23;  Jak 5,16);

 

C. seitens beider:

- das Beschließen, Aussprechen und Geltenlassen von Vergebung (d.h. auch Loslassen, Freigeben;  Mt 18,18;  Lk 6,37;  17,3-4;  Joh 20,23;  2.Kor 2,7-8.10-11;  Kol 3,13);

- das Gebet (Mt 7,7-11;  Mk 11,22-25;  Phil 4,6f;  Jak 5,16) mit Lobpreis und Anbetung (Ps 50,23;  Joh 4,23f;  1.Kor 14,4.15;  Kol 3,16).

 

(3) Alle diese neutestamentlich zentralen Mittel sind deutlich personbezogen, verantwortungs- und beziehungsorientiert (vgl. 5).

 

(4) Wir verwerfen eine schwerpunktverlagernde Praxis, die diese zentralen Mittel vernachlässigt und oft vom Naheliegenden und Wesentlichen ablenkt, indem sie andere Mittel, die in der Schrift nur am Rande, in anderen Zusammenhängen oder gar nicht erwähnt werden, hervorhebt und methodisch-rezeptartig („es funktioniert doch“) anwendet, wie z.B. „Ruhen im Geist“ (= Umfallen), ständiges den Geistern (Dämonen) oder Umständen Gebieten, genaues Benennen und Absetzen geistiger Territorial-Fürsten (= „Geistliche Kampfführung“; vgl. Art. VIII), formelhafter Gebrauch der Namen Gottes und Christi, Verwenden von Gebetstüchlein und gesegnetem Wasser, erlernbare präzise Handgriffe zur Heilung von bestimmten Leiden, Salben von Wohnungen mit Öl, Berufung auf das Blut Christi im Sinne einer unheilsabwendenden Substanz, Herrenmahlsfeiern über bestimmten Anliegen oder Menschen (auch Verstorbenen). Vergangenheitsanalyse („Wurzelsuche“), perfektionistisches Ausbekennen aller Sünden vor dem Seelsorger (Pflichtbeichte), usw..

 

(5) In dem Maß, wie der Rückgriff auf methodisch-rezepthafte Es-funktioniert-Mittel die neutestamentlich zentralen Mittel verdrängt, wird genau das verhindert, wozu die Seelsorge eigentlich führen soll: zu einer ausgeglichenen, belastbaren Persönlichkeit, zur Fähigkeit und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und zur Beziehungs- und Gemeinschaftsfähigkeit (d.h. Reife, Mündigkeit; vgl. Eph 4,12-14).

Zu diesen Absätzen (4) und (5) siehe auch im „SCHLUSS“ die Absätze (2) und (3)

V. VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT

(1) Indem der christliche Glaube die Gottesherrschaft (das Reich Gottes) zum Gegenstand hat, ist er grundsätzlich auf die Zukunft hin ausgerichtet und erwartet von dort her Heilung, Zurechtbringung und positive Veränderung in der Gegenwart (Jes 43,18-19;  Lk 9,59-62;  11,20;  Phil 3,12-16;  Kol 3,1-4; Hebr 6,5;  12,22-24).

 

(2) Die zurückliegenden Ereignisse, die das gegenwärtige Leben des Christen bestimmen, sind die früheren Heilstaten Gottes, insbesondere das Erlösungswerk Christi, das vergegenwärtigt wird (1.Kor 11,24-26) und an das der Heilige Geist erinnert (Joh 14,26).

 

(3) Wir verwerfen eine Seelsorge, die prinzipiell oder praktisch davon ausgeht, dass für das gegenwärtige Leben des Christen primär andere Ereignisse der Vergangenheit bestimmend sind, besonders der frühen Lebens- oder vorgeburtlichen Geschichte einer Person oder ihrer ganzen Familie (vgl. Hes 18!;  1.Tim 1,4;  Tit 3,9;  1.Petr 1,18f), und die von ihrer Aufdeckung die Lösung gegenwärtiger Probleme erwartet.

 

(4) Es entspricht nicht dem Zeugnis der Schrift über den Heiligen Geist (z.B. Joh 16,13-15), ihn systematisch für dieses Aufdecken der Vergangenheit des fleischlichen Menschen zu beanspruchen.

 

(5) Wir verwerfen eine seelsorgerliche Praxis unter Christen, die dem „Kind von früher in mit“ faktisch größere Bedeutung beimisst und mehr zutraut, als dem „Christus in mir“ (Gal 2,20;  Kol 1,27-29), die Christen dazu verführt, sich weiterhin vom Fleisch her zu verstehen (vgl. 2.Kor 5,16f), anstatt von der Neuschöpfüng in Christus (Gal 6,14-16).

 

(6) Von diesen Verwerfungen natürlich nicht betroffen ist die Pflicht, Menschen, die einem (in der Vergangenheit) Unrecht getan haben, zu vergeben; aber dessen ist man sich in der Regel sehr wohl bewusst, oder der Geist erinnert von Fall zu Fall daran. Es ist aber nicht richtig, die Vergangenheit unablässig auf unbewusste Schuld systematisch zu durchforschen (Phil 4,13f).

VI. VORRANG DER GNADE

(1) Die Gottesbeziehung des Christen und jede positive Veränderung in seinem Leben beruht auf der unverdienten, seitens des Menschen voraussetzungslosen Zuwendung Gottes (= Gnade) zu ihm in Christus (Röm 5,8;  1.Joh 4,10) und in der Gabe des Heiligen Geistes, der ihn im Zuge der Ausgestaltung des neuen Menschen, der er in Christus ist, liebesfähig macht (Röm 5,5). Allein diese Tatsache bildet die Grundlage für den unerlässlichen geistlichen Optimismus, den jeder Seelsorger haben muss (Gal 5,10;  Phil 1,6-7;  2.Thess 3,3-5;  Phim 20-21).

 

(2) Wir verwerfen eine Seelsorgepraxis, die diese grundlegende Richtung von oben nach unten (d.h. von Gott zum Menschen) praktisch umkehrt in eine gesetzliche Richtung von unten nach oben (d.h. vom Menschen zu Gott), indem sie menschliche Vorbedingungen voraussetzt, z.B. die „seelsorgerliche Aufarbeitung“ der irdischen Vaterbeziehung für die Fähigkeit, Gott als guten Vater erfahren und lieben zu können (vgl. Ps 27,10;  Eph 3,14-18;  Hebr 12,10;  1.Joh 4,10-11).

VII. ORT UND TRÄGER DER SEELSORGE

(1) Ort und Träger der christlich verstandenen Seelsorge ist die örtliche Gemeinde mit ihren vielfältigen Gaben und Diensten (Röm 1,11-12; Eph 4,11-16;  Hebr 10,24-25). In ihr gibt es zum Dienst der Paraklese (siehe Art. IV, 2A) besonders befähigte und berufene Mitarbeiter (Röm 12,8;  1.Thess 2,12). Vor allem aber ist es Gott selbst, der den Gliedern des Leibes Christi auf diese Weise dient (2.Kor 1,3-7;  3,17-18;  Kol 1,9-14;  Phil 2,13;  1.Thess 5,23-24;  2.Thess 2,16-17;  Hebr 13, 20-21; vgl. auch Röm 8,26-27.34;  Lk 22,32). Ln jeder Gemeinde gibt es daher Seelsorge, wie es auch in jeder Gemeinde Verkündigung des Wortes Gottes gibt, auch wenn diese, was die menschliche Seite angeht, von sehr unterschiedlicher Qualität sein kann.

 

(2) Wir verwerfen eine Tendenz unter Seelsorgern, faktisch nicht fest in der Gemeinde gegründet zu sein, sondern ihr als Elite gegenüber zu treten, sich von der Gemeinde zu emanzipieren oder innerlich zu isolieren oder die seelische Heilung nur von ihren Kenntnissen, Offenbarungen oder Fähigkeiten abhängig zu machen (monopolisieren), und nicht wahrhaben zu wollen, dass Gott in der Gemeinde auch unvermittelt seelsorgerlich an Menschen wirkt, ohne 9ass diese ihren Dienst beanspruchten oder eine tiefere Erkenntnis irgendwelcher Zusammenhänge hätten (vgl. Mk 4,26-29;  1.Kor 3,6f).

VIII. DÄMONEN UND GEISTER

(1) Dämonen und böse Geister manifestieren sich im Neuen Testament hauptsächlich dort, wo das Reich Gottes auf die Finsternis dieser Welt trifft und es zum Kampf kommt (Missionssituation). Deshalb finden wir die meisten diesbezüglichen Berichte in den Evangelien, in der Apostelgeschichte und in der Offenbarung.

 

(2) In den Briefen, die an die Gemeinde Jesu gerichtet sind, spielen Dämonen und Geister keine große Rolle, weil die Gemeinde nicht zum Herrschaftsbereich der Finsternis gehört (Apg 26,17-18;  Kol 1,13) und die Christen zur Eigenverantwortlichkeit befreit sind (Röm 6,16.22;  Gal 5,13;  1.Petr 2,16). Darum werden gemeinde-intern selbst schwere Missstände (z.B. in Korinth!) nicht mit Exorzismen bekämpft, sondern durch die Paraklese angegangen (1.Thess 5,14;   2.Tim 4,2f). Übeltäter und Irrlehrer in der Gemeinde stehen nicht von Anfang an unter der Macht des Satans, sondern müssen gegebenenfalls als Züchtigungsmaßnahme diesem erst ausdrücklich übergeben werden (1.Kor 5,5;  1.Tim 1,20).

 

(3) „Geistliche Kampfführung“ ist das konsequente praktische Leben in den positiven Dingen des Glaubens, insbesondere in der Erneuerung der Gesinnung (Röm 12,2;  2.Kor 10,3-6), der Änderung des Verhaltens (Röm 12,21;  Eph 4,27 im Zush.;  1.Thess 4,7), der Verkündigung des Wortes Gottes (2.Kor 2,12ff;  Eph 6,15.19) und im Gebet (Eph 6,18f).

 

(4) Wir verwerfen auch hier eine schwerpunktverlagernde Seelsorgepraxis, die dazu neigt, Sünden, Fehlhaltungen und Charakterschäden unter Christen gleich auf Geister zurückzuführen, anstatt auf eine fleischliche Gesinnung (Röm 8,5-7.12-13;  1.Kor 2,1-4;  Gal 5,19-21;  Phil 3,18-19), und Loslösen, Gebieten oder Austreiben für angebracht hält, anstatt Vergebung (vgl. z.B. 2.Kor 2,10-11) und Ablegen sündiger Gewohnheiten bzw. Anziehen christlicher Tugenden aufgrund des Standes in Christus (vgl. Art. IV,2).

 

(5) Wir verwerfen auch eine extreme Form der „Geistlichen Kampfführung“, bei der man übermäßig und ungeachtet der Situation (z.B. aus räumlicher Distanz) Geister oder Umstände gebietend anredet und dazu neigt, das an Gott gerichtete Bittgebet für weniger wirksam zu halten (vgl. Apg 4,24-31).

 

(6) In unserer Gemeinde ist es strikt verboten, dass Christen bei Auseinandersetzungen untereinander den zerstörerischen Vorwurf gebrauchen, die Gegenseite sei von bösen Geistern beeinflusst.

Die Feststellung irgendwelcher Beeinflussungen durch Geister steht nur dem nüchternen, einmütigen Urteil der nicht beteiligten, leitenden Brüder zu.

 

(7) Überhaupt ist auch vor der übertriebenen ablehnenden Beschäftigung mit Satanismus, Dämonie, Okkultismus usw. zu warnen, da diese Dinge auch dabei eine gewisse Faszination ausüben und zu ähnlichen Schädigungen führen können, wie wenn man sich positiv auf sie einlässt.

IX. PRÄGUNG DES GEWISSENS

(1) Ein Hauptziel christlicher Seelsorge ist es, zu einem guten Gewissen zu verhelfen und es zu festigen (1.Tim 1,5). Dies geschieht, indem sie

 

-  menschlichen, gesetzlichen Lehren entgegenwirkt (1.Tim 1,3-7; Kol 2,16.20),

-  die Furcht vor Götzen und Geistern abbaut (1.Kor 8,4-6;  10,26;  Gal 4,8-9) und

den Blick von uns selbst weglenkt auf den alleinigen, gnädigen Gott, der größer ist als unser Herz und alles kennt (1.Joh 3,19-20;  Hebr 12,1.2).

 

(2) So wirkt sie daraufhin, dass das Gewissen von der Gnade geprägt wird (Hebr 13,9). Nur ein von der Gnade geprägtes Gewissen ist ein gutes, gefestigtes Gewissen, das es erlaubt, freimütig zu Gott zu kommen (1.Joh 3,21;  Hebr 4,16;  9,14;  10,19-22) und in der Gemeinde frei miteinander umzugehen.

 

(3) Wir verwerfen eine Seelsorgepraxis, die das neutestamentliche Verständnis vom starken und schwachen Gewissen praktisch umkehrt, indem sie das Gewissen für eine unüberschaubare Fülle von Umständen und Mechanismen (Belastungen aus der Vergangenheit), geistigen Mächten (vgl. Art. VIII) und methodischen Vorgehensweisen (perfektionistisches Erforschen und Ausbekennen von Sünde usw., vgl. Art. IV,4) unnötig sensibilisiert, und ein solches, von dieser neuen Gesetzlichkeit geprägtes Gewissen für geistlich wach und stark hält, das Paulus dagegen als schwach, unfrei, fleischlich, befleckt und gebrandmarkt bezeichnet (1.Kor 8,4-12;  10,25-31;  Kol 2,16-23;  1.Tim 4,1-7;  Tit 1,14-16); hier besteht die Gefahr, dass unter dem Anspruch besonderer Erkenntnisse, Weisheiten und Offenbarungen eine scheinbar überlegene „Geistlichkeit“ nach der Herrschaft über die Gewissen trachtet.

X. DER BEGRIFF DER ERKENNTNIS

(1) Erkenntnis ist im Neuen Testament vor allem die durch den Geist gewirkte Erkenntnis Gottes, seines fleischgewordenen Sohnes Jesus Christus, seines Erlösungswerkes, unseres Standes in Christus, des Seins Christi in uns (Mt 16,16f;  Joh 17,3;  Röm 6,6;  1.Kor 2,2; 2.Kor 13,5;  Phil 3,10;  Kol 2,2-3;  1.Joh 4,2;  5,20;  2.Petr 1,2-3). Darüber hinaus gibt es keine „Erkenntnis“ die es wert wäre, so genannt zu werden (Phil 3,8;  1.Tim 6,3-4;  vgl. auch 1.Kor 8,7).

 

(2) Wir verwerfen eine Seelsorge, die diese alles übertreffende Erkenntnis in der Praxis tendenziell als primitiv und für die innere oder äußere Heilung eines Menschen als unzureichend abwertet und ihr entgegen eine andere Erkenntnis als überlegen betrachtet, die genaue Offenbarungen und Einsichten bezüglich verborgener Dinge zu haben meint, wie etwa der genauen Benennung von Geistern, des Unbewussten, merkwürdiger menschlicher Geisteszustände (z.B. „schlummernder Geist“), der individuellen Vergangenheit oder Familiengeschichte, präziser Heilmethoden usw., und die durch nicht überprüfbare Behauptungen Christen verunsichert und abhängig macht. Solch eine „Erkenntnis“, deren Gegenstand sich von den Hauptaussagen des Neuen Testaments zu esoterischen Dingen hin verlagert, steht im Begriff, in die Irrlehre der Gnosis (d.h. „Erkenntnis“) abzugleiten (vgl. 1.Tim 6,20-21;  Offb 2,24).

 

SCHLUSS

(1) Diese 10 Artikel weisen auf die biblischen Schwerpunkte hin, auf die sich die Seelsorgearbeit in unserer Gemeinde zu konzentrieren hat. Wie Leuchttürme weisen sie den Weg durch die Klippen und Untiefen des menschlichen Leidens und Fragens. Sofern von ihnen ausgegangen und zu ihnen hingeführt wird, herrscht Freiheit hinsichtlich des konkreten Vorgehens in den einzelnen Fällen. Darum wurde auf genaue Anweisungen, wie in diesem oder jenem Fall zu verfahren sei, bewusst verzichtet.

 

(2) Es geht hier nicht darum, einzelne Vorgehensweisen, Hilfsmittel oder Phänomene als solche zu verbieten, sofern diese dem Wort Gottes nicht gänzlich zuwiderlaufen, sondern als Ausdruck schwerpunktverlagernder Tendenzen, wenn sie sich verselbständigen, zur Methode, zum Ritual oder Schlüssel werden und so die zentrale Bedeutung des Kreuzes Christi und der neuen Schöpfung verdrängen.

 

(3) In der Schrift wird von vielen originellen Vorgehensweisen berichtet, die nicht Methode oder Ritual sind, sondern oft nur für die jeweilige Person oder Situation charakteristische, einmalige Äußerungen einer lebendigen, persönlichen Beziehung und des prophetischen Geistes (vgl. z.B. 4.Mo 21,8-9 mit 2.Kö 18,4;  2.Kö 4,33-35; 5,10;  13,15-19;  Mk 7,33-35;  8,23-25; Joh 9,6;  Apg 19,12). Im Reich Gottes ist grundsätzlich alles person-, verantwortungs- und beziehungsorientiert, nicht funktions-orientiert (siehe Art. IV,3-5). Nur diese Ausrichtung ermöglicht jenes freie, vielfältige Vorgehen, das der Vielfalt des Lebens und seiner Bedürfnisse entspricht.

 

(4) Alle christliche Vielfalt hat ihren Brennpunkt im Kreuz und in der Auferstehung Christi und in der Tatsache, dass wir dadurch zu einer neuen Schöpfung geworden sind. Wenn die Seelsorge dies praktisch und lebendig (nicht nur theoretisch-lehrmäßig) vermittelt, wird nicht Bedrückung, sondern Befreiung die Frucht sein (vgl. Mt 7,20;  Gal 5,22). Die Vorgehensweisen, die gewählt werden, sind immer wieder daraufhin zu überprüfen, ob sie diesem Ziel dienen oder nicht.

 

Mir sei es fern, mich zu rühmen als nur

des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus,

durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.

Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittensein gilt etwas,

sondern eine neue Schöpfung [in Christus].

Und so viele dieser Richtschnur folgen werden,

Friede und Barmherzigkeit über sie!“

Galater 6,14-16

(vgl. Röm 6,1-14.23;  2.Kor 5,17;  Tit 3,4-7)

 

 

Einverständnis-Erklärung:

 

Wir, die leitenden Brüder und Mitarbeiter der Gemeinde Xxxxxx e.V. in Xxxxxxx, anerkennen die obigen Richtlinien für die Seelsorge vom heutigen 3. Juni 1993 an als verbindlich für den Verantwortungsbereich unserer Gemeinde und bestätigen dies mit unseren Unterschriften (vgl. Nehemia 10,1ff).

 

 

Diese Seelsorge-Richtlinien wurden 1993 im Verlauf mehrerer Treffen ausgearbeitet von: Cxxx Ixxxx (ev. Theologe), Kxxx Schxxx (freikirchl. Pastor) und Joachim Hübel (beratender Mitarbeiter). Diese Richtlinien wurden anschließend vom Brüderrat (Gemeinderat) der Gemeinde Xxxxxx e.V. in Xxxxxxx offiziell anerkannt und angenommen.

Die schriftgemäße Erlösungslehre lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Die Erlösung „in Christus“ wird nicht durch eigene Werke (menschliche Verdienste), sondern allein durch Gottes Gnade auf der Grundlage des Verdienstes Christi in seiner Passion (Leiden, Kreuzestod, Blutvergießen etc.) erworben. Und aufgrund der Gnade Gottes wird die Erlösung allein durch eine authentische Bekehrung (Umkehr) und durch den persönlichen Glauben an das schriftgemäß-biblische Evangelium Jesu Christi erlangt; die Heilsübermittlung geschieht nicht durch volkskirchliche Rituale (= Sakramente). Siehe dazu die Links: Das Evangelium und Erlösung erfahren und Fünf Schritte in ein neues Leben und Bedingungslos von Gott geliebt und angenommen?.

Die Erlösung „in Christus“ umfasst Sündenvergebung (Reinigung), Empfang der Gerechtigkeit (= Rechtfertigung) und der Gotteskindschaft, geistliche Auferweckung durch den Empfang des Heiligen Geistes (= geistliche Wiedergeburt), Befreiung (von der Macht der Sünde und des Teufels), göttlichen Schutz, überfließenden Segen und das ewige Leben in Gottes herrlicher Gemeinschaft.

 

Dieses erworbene Erlösungs-Potential steht jedem wahren bekehrten und wiedergeborenen Gläubigen von Anfang an in vollem Umfang zur Verfügung, muss aber in fortschreitender Erkenntnis im Glauben ergriffen und Schritt für Schritt verwirklicht werden. Siehe dazu die Links: Erlöstsein in Christus und Gott ist mit dir noch nicht ganz fertig.

 

[Biblische Grundlage: Joh 1,11-13;  3,16-18;  11,25.26;  Mk 1,14.15;  Röm 3,10,8-11;  6,1-14. 18.22;  8,2;  Eph 1,3.7.13.17-19;  2,4-9;  4,21-24;  Apg 2,38;  3,19;  17,30.31;  20,21;  26,18;  Tit 2,4-6;  1.Kor 1,30;  15,1-4;  2.Kor 3,17.18;  5,17.21;  Kol 1,13.21-23;  2,14.15;  1.Petr 1,16;  Offb 1,5.6 – vgl. Joh 8,31.32.36;  Lk 9,62;  Phil 3,13;  Gal 3,13.14;  4,9;  5,1]

In der neutestamentlichen „gesunden Lehre“ wird klar auf den Unterschied hingewiesen, der bei einem geistlich wiedergeborenen Gläubigen zwischen seiner Stellung (Position) „in Christus“ und seinem sichtbaren Zustand besteht. Nur in der Stellung „in Christus“ hat er auf dem „neuen und lebendigen Weg“ freimütigen Zugang in die Gegenwart Gottes und kann mit seinem himmlischen Vater unbeschwerte, vertraute Gemeinschaft pflegen (Hebr 10,19-22). Das gilt gerade auch dann, wenn er von seinem sichtbaren Zustand her noch sehr mangelhaft ist. Gläubige sind gemäß ihrer Position „in Christus“ Heilige und Gerechte, selbst wenn sie noch Fehler machen oder sündigen (1.Joh 2,1.2;  Hebr 4,15.16). Natürlich besteht für alle Gläubigen der Auftrag der „Heiligung“ (Hebr 12,14;  1.Kor 7,1).  Als Erlöste sollen sie danach streben, ein erlöstes, heiliges Leben zu führen und schrittweise die Sünde abzulegen und die Tugenden anzuziehen (Röm 6,1-12; Kol 3,1-10; Gal 5,16-23). Doch das gelingt nur den wirklich Erlösen „in Christus“, die den Heiligen Geist empfangen haben und geistlich wiedergeboren sind (Apg 2,38;  Eph 1,13;  Tit 3,4-7;  Joh 7,38.39).

 

Nur wer in entsprechender Weise gelehrt wird, kann im Glauben seine Position „in Christus“ erkennen und einnehmen. Von unserem Zustand her werden wir hier auf Erden niemals so heilig sein, dass wir vor Gott bestehen könnten. Nur das Blut Jesu macht uns heilig und vor Gott angenehm (Hebr 10,10.14.29; Röm 3,25.26). Wer seine privilegierte Position nicht erkennt und sich von seinem sichtbaren, unvollkommenen Zustand her definiert, der fühlt sich unwürdig und kommt unter Verdammnis. Der weit verbreitete Mangel an Erkenntnis, der leider auch bei vielen wiedergeborenen Christen besteht, ist das Kapital der Befreiungs-Seelsorger. Sie nutzen diese Unwissenheit aus, um mit ihren verkehrten Lehren und Praktiken landen zu können! Doch die Erkenntnis der biblischen Wahrheit setzt uns frei von diesem Betrug: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh 8,31.32) 

Die lehrmäßige Grundlage der Befreiungs-Seelsorge und „Inneren Heilung“ lautet zusammengefasst folgendermaßen:

 

Die Vertreter des Befreiungsdienstes (Befreiungs-Seelsorge) gehen nicht vom umfassenden Erlösungs- und Befreiungszustand eines wiedergeborenen Christen aus. Sie meinen, dass selbst wiedergeboren Gläubige, die den Heiligen Geist empfangen haben, meist  noch gebunden und belastet sind, da sie durch unaufgedeckte schwere Sünde, durch Beschäftigung mit Okkultismus (Zauberei), durch schwere innere Verletzungen und erlittene Traumas, durch Schwüre, durch negative Festlegungen, durch Vorfahrenschuld etc. unter einem Fluch stünden und dadurch „gebunden“ seien. Um echte Befreiung und Vergebung zu erlangen müssten die Wurzeln er forscht, ans Licht gebracht und verbal bekannt (ausgesprochen) werden, verbunden mit der Bitte um Vergebung. Sodann müsste ein Akt der „Lösung“ vollzogen werden – am wirksamsten durch einen „vollmächtigen Seelsorger“ – durch den die Bindungen und bestehenden Anrechte des Teufels „gebrochen“ werden. Erst dann könne der/die Betreffende im Glauben entsprechende biblische Verheißungen über Befeiung, Vergebung, Reinigung, Heilung und Wiederherstellung beanspruchen. – Es versteht sich von selbst, dass ein derartiges „exorzistisches Verfahren“ ein langwieriges, aufwendiges Unterfangen ist, bei dem man nie zu einem Ende gelangt. Die Betreffenden bleiben in der Regel Seelsorge-Pflegefälle, die bei auftretenden Problemen immer wieder die „Wurzel-Suche“ betreiben und wieder neu von Bindungen „gelöst“ werden müssen. 

Weil diese Befreiungsseelsorge im klaren Widerspruch zur gesunden biblischen Lehre steht, bestehen keine echten Erfolgsaussichten. Dennoch beharren die Vertreter der Befreiungs- Seelsorge darauf, dass der Erfolg und die Richtigkeit dieses Ansatzes durch Erfahrungen bestätigt werden. Für eingehende anders lautende, biblische Argumente sind sie nicht zugänglich. Unter dem Anspruch von Befreiung bringen sie Christen in Gebundenheit. Im Szenarium dieser Befreiungs-Seelsorge manifestieren sich immer wieder okkulte Kräfte und Mächte. Denn wer den Teufel herausfordert und aktiv gegen ihn anbetet, der ruft ihn quasi herbei. Von Befreiungs-Seelsorgern werden solche Manifestationen als Bestätigung ihrer Lehre und Praktik angesehen.

Eine ernste Warnung zur so genannten Befreiungs-Seelsorge und Inneren Heilung

Gott, der himmlische Vater, möchte, dass seine erlösten, geistlich wiedergeborenen Kinder zu einer tiefen Erkenntnis über ihre Erlösung gelangen (Eph 1,17-20;  3,16-19;  Joh 8,31. 32.36;  Kol 1,9-14;  1.Kor 2,12). Durch geistliche Erkenntnis können und sollen sie im Glauben die einzelnen Heilsgüter des Erlösungswerkes Jesu Christi in ihrem Leben realisieren. Der Teufel hat natürlich keinerlei Interesse daran, dass Christen den vollen Umfang ihrer Freiheit und Erlösung erkennen und nutzen. Er möchte sie vielmehr entmutigen und ihren Glauben zerstören. Er möchte ihnen Schwäche, Unwürdigkeit, Belastung und Gebundenheit einsuggerieren. Und das tut er auch – u.a. durch selbsternannte „vollmächtige“ Seelsorgespezialisten, die fragwürdige Seelsorgelehren und –praktiken verbreiten! Dazu gehört auch die sog. „Befreiungs-Seelsorge“, deren Grundlage eine falsche Sichtweise über die Erlösung ist. Aus diesem Grund beobachtet man an wiedergeborenen Christen, die sich der „Befreiungs-Seelsorge“ hingeben, meist eine Zunahme an Ängstlichkeit, Unfreiheit, Unmündigkeit und Gesetzlichkeit. Der „Befreiungsdienst“ verhilft ihnen nicht zur Freiheit, Reife, Mündigkeit und Selbständigkeit, sondern sie geraten in zunehmende Abhängigkeit von ihren Seelsorgern. Diese versprechen ihnen die Befreiung von dämonischen Bindungen, Flüchen, generationsübergreifenden Belastungen, negativen Festlegungen und inneren Schwüren etc., doch in Wirklichkeit bringen sie die Betreffenden mehr und mehr in Gebundenheit. Denn sie vermitteln den von ihnen Betreuten nicht die befreiende Wahrheit der neutestamentlichen Lehre (vgl. Joh 8,31.32.36;  Apg 20,26.27), sondern präsentieren ihnen „listig ersonnenen Irrtum“ (Eph 3,14). Dieser wurzelt einerseits in einer höchst fragwürdigen Erfahrungstheologie: „Die Erfahrung hat gezeigt …“ – und andererseits in dämonisch inspirierten Irrlehren (1.Tim 4,1;  Joh 8,44). Für diese führen sie sogar – wie der Teufel in der Versuchungsgeschichte Christi (Mt 4,6) – falsch interpretierte(!) Bibelstellen an.

Ich habe etliche Fälle beobachtet, in denen Christen eine besagte Seelsorgebetreuung begonnen haben mit dem Ziel, innere Heilung und Befreiung zu erlangen. Doch dann mussten die Betreffenden die sich endlos hinziehende Befreiungs-Seelsorge wieder abbrechen, weil sie die seelische Belastung nicht mehr ertrugen. Unter dem Vorwand der Befreiung redeten ihnen fragwürdige Seelsorgeexperten okkulte Belastung und Gebundenheit ein. Die Seelsorge hinterließ bei den Betroffenen tiefe Verletzungen – und den frustrierenden Eindruck, sie seien in ihrer Persönlichkeit völlig demoliert, gebunden und geistlich minderwertig. (Jetzt hatte der Teufel sie da, wo er sie haben wollte!) Ich kenne keinen einzigen Christen, dem eine solche besagte Seelsorge in überzeugender Weise zu Freiheit, seelischer Gesundheit und geistlicher Reife verholfen hätte.

Aber mehr noch: Es hat sich gezeigt, dass sich im Umfeld des Befreiungsdienstes (der Befreiungs-Seelsorge) immer wieder okkulte Phänomene manifestieren und dämonische Mächte offenbaren. Meist wird das als erfahrungsmäßige Bestätigung angesehen, dass bei den beseelsorgten Personen tatsächlich okkulte Belastung (wenn nicht gar dämonische Besetzung) vorläge. Nur wenige wagen es, solche Interpretationen kritisch zu hinterfragen und die auftretenden Phänomene mit der spezifischen Befreiungs-Seelsorge (und deren Betreiber) in kausalen Zusammenhang zu setzten. Die Befreiungs-Seelsorge verwendet bekanntlich Praktiken (z.B. ein autoritäres Gebieten, dass sich die Geister offenbaren mögen), durch die dämonische Mächte geradezu herausgefordert und regelrecht herbeigerufen werden*. Daher deuten okkulte Phänomene und Manifestationen im Zusammenhang mit dem Befreiungs-Dienst nicht zwangsläufig auf eine bereits bestehende okkulte Belastung des Beseelsorgten hin, sondern möglicherweise auf eine okkulte Beeinflussung durch die Befreiungs-Seelsorge! Durch die verwendeten Praktiken können okkulte Belastungen durch den Seelsorger selbst neu „herbeigerufen“ worden sein! Daher ist es äußerst ratsam, sich von fanatisch „begeisterten“ Befreiungs-Seelsorgern ferne zu halten. Meist sind das selbsternannte, freischwebende** Spezialisten. Sie berauschen sich (und andere) an ihrer exklusiven „Erkenntnis“ (über Satan, Dämonen und okkulte Zusammenhänge – vgl. Offb 2,24) und an ihrer vermeintlichen „Vollmacht“. Doch sie täuschen sich und andere darüber hinweg, dass sie ohne wahre Erkenntnis und ohne den Auftrag des Herrn handeln (siehe Mt 7,22.23). Es kann also paradoxerweise geschehen, dass jemand gerade durch einen solchen „Seelsorge- und Befreiungs-Dienst“ in dämonische Verstrickung gerät! Deshalb müssen Gemeindeleiter äußerst wachsam sein, damit ihre Gemeinde nicht durch solche „Wölfe im Schafspelz“ verwüstet werden (siehe Apg 20,28-32). Selbst langjährige Christen sind schon auf solche Irreführer und deren „listig ersonnenen Irrtum“ hereingefallen (siehe Mt 24,24;  Eph 4,14).

Überhaupt führt nicht nur das aktive Praktizieren von Okkultismus zu dämonischer Belastung. Die kritisch-ablehnende Faszination an okkulten Phänomenen und eine andauernde Beschäftigung mit diesen Dingen und entsprechenden Medieninhalten können bei Christen vergleichbare Auswirkungen hervorrufen wie die aktive Betreibung okkulter Praktiken.

 

Selbstverständlich gibt es auch einen echten, neutestamentlichen Befreiungsdienst. Er bewegt sich jedoch primär im Rahmen der Missionierung und Evangelisation – also dort, wo sich Personen zu Jesus bekehren wollen und dadurch gerade im Begriff stehen, den Machtbereich Satans zu verlassen. Dort sind mitunter massive Widerstände und dämonische Manifestationen zu beobachten. Denn durch eine schriftgemäße Bekehrung zu Jesus Christus wechseln die betreffenden Personen „von der Finsternis zum Licht“ und „von der Macht Satans zu Gott“ (Apg 26,18 – siehe auch Kol 1,12-14). Seelsorger, die einen verantwortungsvollen, authentischen (echten) Befreiungsdienst ausüben, gehen mit der Praktizierung der Loslösung und Dämonenaustreibung sehr zurückhaltend um, weil  sie wissen, dass damit unter Umständen viel Schaden angerichtet werden kann. Sie wissen auch, dass das eigentliche Problem der Christen nicht der Teufel ist, sondern deren eigenes „Fleisch“ (= die von Adam erworbene sündige Wesensnatur – siehe 1.Kor 3,1; Gal 5,16.17;  Röm 8,5-9.12-14; Jak 1,13-15;  1.Kor 10,13) – und dieses kann man nicht „austreiben“, sondern nur durch einen „Wandel im Geist“ (Gal 5,16.17) überwinden.

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* Das Gleiche gilt auch für die „Geistliche Kriegsführung“ (= „Strategisches Gebet“).

** d.h. sie sind keinem anerkannten Gemeindeverband angeschlossen und praktizieren die Seelsorge unbeauftragt und unkontrolliert in eigener Regie. Es gibt allerdings auch eingebundene Seelsorger, die trotzdem eine unbiblische Seelsorge praktizieren. Man muss also in jedem Fall mitdenken.

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Der Teufel ist zwar der „Verführer“ und „Versucher“ (1.Thess 3,5;  Offb 20,7) und nutzt die Sogkraft der sündigen Wesensnatur, um schwache, fleischliche Christen zum Sündigen aufzustacheln. Doch die fleischlichen Begierden selbst kommen nicht vom Teufel, sondern von der sündigen Wesensnatur, die seit dem Sündenfall im Menschen wohnt. Diese verdorbene Wesensnatur – „die Sünde“ (Röm 6,12 – Singular!) - schlummert auch nach der Bekehrung und geistlichen Wiedergeburt noch in den Gläubigen! Die Apostellehre macht das deutlich: „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt …“ (Röm 7,18). „… treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, dass Begierden wach werden!“ (Röm 13,14) „Geliebte, ich ermahne euch …, dass ihr euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, enthaltet.“ (1.Petr 2,11) „So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorche …“ (Röm 6,12). 

Die meisten Versuchungen werden nicht vom Teufel verursacht, sondern sie kommen von der alten, sündigen Wesensnatur: „Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt.“ (1.Kor 10,13) Bei Versuchungen ist daher nur in seltenen Fällen ein verbales Widerstehen gegen den Teufel (d.h. gegen dämonische Mächte) angesagt, so wie Jesus das bei seiner Versuchung in der Wüste tat (Mt 4,1.10). Wir können dem Teufel am besten widerstehen, wenn wir „uns Gott unterwerfen“ (Jak 4,7; Ps 18,4), wenn wir unseren Glauben an Gott und sein Wort aktivieren (1.Petr 5,9) und wenn wir die geistliche Waffenrüstung anlegen (Eph 6,12.13) und „im Geist wandeln“ (Gal 5,16;  Röm 8,12.13). Durch den Wandel im Geist entziehen wir den Versuchungen und dem Versucher die Grundlage: „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ (Gal 5,16.17) Wer „voll des Geistes“ ist (Eph 5,18-20), der hat genügend Widerstandkraft gegen die Begierden des Fleisches. Wenn jedoch unser „geistlicher Wasserstand“ gesunken ist, dann kommen das Geröll und allerlei Hindernisse zum Vorschein. Dann erwachen allerlei fleischliche Begierden, und dann machen sich auch wieder alte Verletzungen und Haltungen bemerkbar. Deshalb müssen wir lernen, wie wir zur Fülle des Geistes gelangen. Menschen „voll Geist“ sind Menschen des Wortes Gottes, des Betens und des Fastens, des Glaubens, wahrer Anbetung, des Dienens und der Gemeinschaft mit anderen erweckten Christen (Apg 2,42;  4,31;  13,2.3;  Eph 5,18-20;  Joh 6,63;  7,38.39;  Lk 11,13).

Leider werden die hier aufgeführten Zusammenhänge in vielen evangelikalen Gemeinden kaum gelehrt. Deshalb herrscht bei vielen Christen eine bedenkliche Unwissenheit, die dem Unwesen der Befreiungs-Seelsorger Tür und Tor öffnen (Hos 4,6).





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